Fachforum
Naturheilpraxis 02/2023

Das Bindegewebe und die Rolle der Kieselsäure

Was verrät das Auge? – Teil 2

Eine schöne Zusammenfassung zur Rolle der Kieselsäure im menschlichen Organismus finden wir bei Rudolf Steiner und Ita Wegmann: "Die Kieselsäure trägt ihre Wirkungen durch die Stoffwechselwege bis in diejenigen Partien des menschlichen Organismus, in denen das Lebendige zum Leblosen wird. Sie findet sich im Blute, durch das hindurch die Gestaltungskräfte ihren Weg nehmen müssen; und sie kommt in den Haaren vor, also dort, wo sich die Gestaltung nach außen abschließt; man trifft sie in den Knochen, in denen die Gestaltung nach innen ihr Ende findet" (1). Wie kann uns nun die Augendiagnose ein Wegweiser sein, bei welchen Patienten ein Einsatz von Silicea bzw. kieselsäurehaltigen Mitteln indiziert ist?

Ein Beitrag von Petra Kropf
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Die Augendiagnose ist immer auch Matrixdiagnose, weil die Iris selbst eine bindegewebige Struktur hat und wir anhand ihrer Beschaffenheit Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Bindegewebes ziehen können. Hermann Biechele schreibt dazu: „[…] finden wir in der Iris mit Ausnahme der Lymphgefäße alle Zellen, Strukturelemente und humoralen Faktoren des Mesenchyms“ (2). Obwohl sich die Iris nach ihrer Ausreifung nicht mehr groß verändert, zumindest im Hinblick auf die Strukturzeichen, dürfen wir uns ihrer Hilfe bedienen – in dem Sinn, dass wir sie in Bezug einer Hinweisdiagnostik lesen und deuten. Ihre Aussagen müssen wir in der Praxis immer durch Anamnese, körperliche Untersuchung und andere diagnostische Methoden präzisieren und aktualisieren.

Welche Zeichensetzungen oder „Hinweise“ lassen uns an einen Bezug zu kieselsäurehaltigen Strukturen im Körper denken?

Die mesenchymal schwache Disposition

Nomen est omen – bei der mesenchymal schwachen Disposition steckt bereits im Namen die Relation zum Bindegewebe. Broy charakterisiert die Ausprägungen dieser konstitutionellen Eigenheit mit „Schwäche des Bindegewebes, Stützgewebes und der mesenchymalen Abwehr“ (3). Kennzeichen der Disposition ist eine Auflockerung der vorderen Grenzschicht mit zahlreichen Lakunen und Krypten. Die Schwäche des Bindegewebes ist zunächst, wie jeder konstitutionelle Aspekt, keine Krankheit. Aber sie kann Krankheitsverläufe beeinflussen bzw. hat spezielle Krankheitsneigungen zur Folge. Dazu gehören Ptosen, Hernien, Wirbelsäulenleiden, aber auch Venenschwäche, chronische Entzündungen und verzögerte Heilungsprozesse.