„Das Alter verklärt oder versteinert“ ist ein treffendes Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach zum Thema Altern. Biologisch gesehen ist das Alter geprägt durch Abbau (Immunsystem, Stoffwechsel, Muskulatur u. a.) und sklerotische Prozesse. Die daraus resultierenden Erkrankungen äußern sich häufig als Beschwerden am Bewegungsapparat, die sich unter dem Begriff „rheumatischer Formenkreis“ subsummieren lassen. Ihre Erscheinungsbilder sind vielfältiger Natur und korrelieren gern mit den konstitutionellen Gegebenheiten des Betroffenen. Daher ist die Augendiagnose neben einer gründlichen Inspektion und Anamnese eine wertvolle Leitschiene für die individuelle Therapie. 

Der Anteil an älteren Patienten in unseren naturheilkundlichen Praxen ist groß, außer wenn wir uns auf die Behandlung von Kindern spezialisieren. Mit zunehmendem Alter treten oft typische Erkrankungen und Reaktionsmuster in den Vordergrund. Joachim Broy hat festgestellt, dass Altersbeschwerden meist konstitutionell geprägt sind (1). Betrachten wir die Erscheinungen des rheumatischen Formenkreises vor dem Hintergrund dieser Aussage, können wir neben einer schmerzlindernden und entzündungshemmenden Therapie unsere Patienten vor allem gemäß ihrer Konstitution stärken. So werden für zwei Arthrosepatienten unterschiedliche Behandlungsstrategien entstehen, abhängig davon, wie das aktuelle Säfteverhältnis und die konstitutionellen Gegebenheiten aussehen.