Die „Darm-Hirn-Achse“, also die Wechselwirkung zwischen den beiden Organen, ist bislang nur recht einseitig erforscht. Dass sich das Gehirn auf die Verdauung auswirken kann, ist nichts Neues. Doch die Beeinflussung funktioniert auch andersherum: So regulieren Darmbakterien beispielsweise die Produktion von Tryptophan, aus dem etwa die Hormone Serotonin und Melatonin hergestellt werden. Aus dieser Erkenntnis leiteten chinesische Forscher die Frage ab, ob bestimmte Bakterienarten eventuell sogar im Zusammenhang mit Depressionen stehen. Hierfür untersuchten sie die Darmkulturen von 44 depressiven Patienten ohne Medikamenteneinnahme und verglichen sie mit denen 44 gesunder Kontrollpersonen. Um mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede zu ermitteln, umfassten beide Gruppen je 20 Männer und 24 Frauen.
Im Ergebnis unterschied sich die Anzahl der Bakterienstämme beider Gruppen bei den Männern um 57, bei den Frauen um 74. Zwei Typen stachen dabei besonders hervor: depressive Frauen wiesen einen erhöhten Actinobacteria-Wert auf, bei erkrankten Männern war eine verringerte Anzahl Bacteroidetes-Stämme messbar. Die Forscher empfehlen, in weiteren Studien zu klären, ob solche Bakterien auch als empirisch belegbare Anzeichen für eine Demenzerkrankung dienen können.