Schwerpunkt
Naturheilpraxis 10/2018

Daphne mezereum – Seidelbast

Kardinalmittel bei Herpes Zoster

Der schöne Strauch imponiert schon zeitig im Frühjahr durch seine intensiv duftenden rosafarbenen Blüten an den Rändern von Mischwäldern und ist so eine erste Nahrungsquelle für verwegene Insekten, die sich den Nachtfrösten zum Trotz schon hervorwagen. Man kann ihn mit Fug und Recht als mehr als nur eine Augenweide bezeichnen, er ist auch eine Insektenweide.

Ein Beitrag von Bernd Hertling
Lesezeit: ca. 9 Minuten
Bernd Hertling

Etymologie und Botanik

Der Seidelbast hat seinen deutschen Namen von den fleißigen Zeideln, den Bienen, die seine Blüten als erste anfliegen, um Nektar zu tanken und Pollen zu sammeln. Anders als ihre wilden Schwestern haben es die Honigbienen in ihren Stöcken im Winter warm und können bereits die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen nutzen, um auf Nahrungssuche auszuschwärmen. Und wie bei allen Pflanzen, die uns Menschen etwas sagen wollen, kennen wir mehrere Volksnamen für diesen Strauch. So wird er auch Hühnertod, Giftbäumchen, Pfefferbaum oder Rauschbeere genannt. Am gebräuchlichsten findet sich das Synonym „Kellerhals“, das sich laut Helmut Genaust angeblich von „Quäl den Hals“ ableitet, was durchaus wahrscheinlich ist und einleuchtet. Denn schließlich sind die Beeren von erheblicher Toxizität, was sich auch im wissenschaftlichen Namen widerspiegelt. Dieser setzt sich zusammen aus „Daphne“, womit auf den Gattungsnamen der Lorbeerbäume verwiesen wird, und aus dem altpersischen Wort „mazaryun“, das töten bedeutet. Man kann also, sofern man des Altpersischen mächtig ist, einmal mehr das Wesen aus dem Namen lesen!

Der filigrane, im Sommer absolut unauffällige Strauch, kann bis zu zweieinhalb Meter hoch werden, was jedoch selten vorkommt. In der Regel findet man Exemplare, die sich zwischen ca. einem halben bis eineinhalb Metern Höhe bewegen. Mezereum kommt europaweit vor und liebt den Halbschatten. Dabei erklimmt er in den Alpen nördlich des Hauptkamms bis zu 1 900 Meter, im Süden bis zu 2 450. Seine bisweilen weißen, in der Regel aber rosa- bis pfirsichfarbenen Blüten sitzen den vorjährigen Zweiganteilen direkt am Zweig/Stamm auf und treiben schon zeitig im Frühjahr aus. Ihr Duft ist intensiv und kann bei disponierten Personen Kopfschmerzen, Gereiztheit und in besonders schweren Fällen sogar Nasenbluten auslösen. Sollte es zu lange kalt bleiben und sollten die Insekten ausbleiben, kann sich der Seidelbast auch selbst bestäuben und Beeren tragen. Wenn es länger regnet, kann es passieren, dass sich die Blütenkelche teilweise mit Wasser füllen, was zum vorzeitigen Auskeimen der Pollen führt und eine Bestäubung unmöglich macht.

Seidelbastblüten Bernd Hertling