Schwerpunkt
Naturheilpraxis 03/2021

Chronisches Fatigue-Syndrom durch Virusinfektionen

Schon manche Sportlerkarriere wurde in jungen Jahren durch massiven postinfektiösen Leistungseinbruch gefährdet. In unserer Praxis für naturheilkundliche Sport- und Allgemeinmedizin und angewandte Immunologie betreuen wir viele Patienten mit chronischem Fatigue-Syndrom und konnten im Lauf der Jahrzehnte Diagnostik und die darauf aufbauende Therapie stetig weiterentwickeln und optimieren.

Ein Beitrag von Thomas M. Thust
Lesezeit: ca. 8 Minuten
Helen Sushitskaya / shutterstock.com

Virale Infektionen können über das akute Geschehen hinaus zu schweren chronischen Beschwerden führen. Viren sind bekanntermaßen Auslöser für oft monatelang anhaltende Erschöpfungssyndrome. Diese werden als chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) oder auch als myalgische Enzephalomyelitis (ME) mit dem ICD-10-Code G93.3 bezeichnet. CFS wird typischerweise durch Influenza-, Epstein-Barr-, Coxsackie-, Entero- und Coronaviren ausgelöst. Auch chronische bakterielle Infektionen, wie Borreliose, können ein CFS nach sich ziehen.

Frauen sind häufiger von postviralem CFS betroffen. Es tritt in allen Altersklassen auf und ist durch langanhaltende monate- bis jahrelange Beschwerden gekennzeichnet, die häufig auch zu Langzeitkrankschreibungen führen. Leitsymptom des CFS ist eine signifikante Belastungsintoleranz. Der Gesundheitszustand verschlechtert sich nach geistiger Beanspruchung und körperlicher Belastung. Die Betroffenen können nach körperlicher Belastung (ergometrischer Belastungstest) am folgenden Tag die Leistungen des vorangegangenen Tages nicht mehr abrufen und die anaerobe Schwelle sinkt. Diese Verschlechterungen nach Belastung können Wochen, Monate oder im Worst Case sogar dauerhaft anhalten. Daher müssen sich Patienten mit CFS strikt schonen und sehr vorsichtig mit ihren mentalen und physischen Ressourcen umgehen. CFS-Patienten wissen nicht, was bei Belastung als nächstes passiert. In einem Moment fühlen sie sich fit und joggen ein paar Kilometer, eine Stunde später liegen sie mit Muskelschmerzen und bleierner Schwere im Bett. Körper und Psyche spielen verrückt und es ist für Betroffene schwer, selbst einfache tägliche Tätigkeiten wie Kochen, Abspülen oder Staubsaugen zu erledigen.