Schwerpunkt
Naturheilpraxis 11/2018

Chronische Leberstörungen und die Prostata

Eine Arbeitshypothese

Lange bestehende Störungen der Leber können unterschiedliche Erkrankungen begünstigen und hervorrufen. Konstitutionelle Veranlagungen und pathophysiologische Zusammenhänge lassen sich mit der Augendiagnose manchmal besser verstehen. Anhand zweier Praxisfälle möchte ich meine Arbeitshypothese zur Diskussion stellen.

Ein Beitrag von Susanne Villedieu
Lesezeit: ca. 10 Minuten

Die kastaniengroße Prostata als exokrine Drüse, die unterhalb der Harnblase liegt, ist für unsere geschlechtliche Fortpflanzung notwendig, denn in ihr wird ein Teil der Samenflüssigkeit gebildet. Die von der Prostata beigesteuerte Samenflüssigkeit ist für die Beweglichkeit der Spermien wichtig. Dieses Zusammenspiel ist wichtig, denn nur bewegliche Spermien können die Befruchtung der Eizelle gewährleisten. Faktoren, die auf die an sich agilen Spermien Einfluss nehmen, sind chronischer Stress, Rauchen, Alkohol, Elektrosmog, bestimmte Pestizide, Anabolika, Drogen und Übergewicht. Den zuletzt genannten Punkt konnten auch Andrologen bestätigen, die auf überschüssiges Fett im Bauchraum hinweisen. Dieses ist schädlich, da es entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Adipozytokine oder Adipokine, in großen Mengen produziert und freisetzt, die in der Folge den männlichen Hormonhaushalt stören (1).

Schaut man sich die Arbeit der Prostata aus dem Blickwinkel der traditionellen europäischen Medizin an, entspricht diese dem Wirkprinzip des Phlegmas, hier die Speicherform des männlichen Prinzips. Phlegma besitzt eine kühlende und befeuchtende Eigenschaft, die durch Wärme bewegt und beeinflusst wird. Dies geschieht einmal durch den sexuellen Akt, der zu einer stärkeren Durchblutung und nervalen Anregung führt, an deren Ende die Ejakulation stattfindet.
Und andererseits durch die Leber, die als unser Lebensmotor eine gesunde Grundtemperatur von ca. 40 °C aufweist und eine erwärmende und umwandelnde Kraft besitzt. Diese Kraft brauchen wir im Stoffwechsel, um Lebensprozesse wortwörtlich am Leben zu halten – eine aktivierende, aufbauende Instanz. Diese Eigenschaft kann sie nur erfüllen, da sie kein rein heißes, sondern zuallererst ein feuchtes Organ ist. Damit besitzt sie die Kraft, Substanz zu bilden. Die hohe Temperatur ist notwendig, um sowohl die Syntheseprozesse als auch die Enzymbildung und die Entgiftungsfunktion auszuführen. Ihre nährstoffreichen Säfte werden an das venöse und lymphatische System weitergeleitet, um dann wieder an Zellen abgegeben zu werden. Die Leber spricht die Prostata nie direkt an, dennoch sind die von ihr gut vorbereiteten Säfte notwendig, um die Prostata ausreichend zu versorgen. Stoffe, die von der Leber umgewandelt werden müssen, wie Alkohol, Medikamente und andere chemische Stoffe, haben einen Einfluss auf die Spermienbildung im Hoden und die Spermienqualität, die minderwertige Prostatasäfte verursachen. Im naturheilkundlichen Sinne wurde die Prostata auch als „Klärbecken“ (2) bezeichnet, da sich die Schlacken in der Prostata sammeln, wenn die Toxinbelastung im Körper zu hoch ist. Die Leber besitzt dieselbe Wirkrichtung (warm und feucht), „liefert die Substanz, an der sich die bewegenden und verändernden Kräfte der eingeborenen Wärme betätigen kann“, wie es Arnold Mayer (3) sehr schön zum Ausdruck bringt. Die Frage muss also lauten: Was passiert im Körper, wenn die Leber ihre Aufgaben nicht mehr vollständig bewältigen kann, wenn sie zu kalt wird, wenn sie zu trocken wird?

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Naturheilpraxis 11/2018

Erschienen am 02. November 2018