Jemand gähnt in unserer Gegenwart, und wir sind befremdet. Ist unsere Anwesenheit, unser Gespräch so langweilig, dass dieser Mensch seinen Mund weit aufreißt, seinen Atem auf seltsame Weise ausstößt und dabei vielleicht urtümliche Laute von sich gibt?

Tiere gähnen, kleine Kinder machen es und Erwachsene ebenso. Gähnen ist in aller Munde, wird aber nicht gern gesehen, deswegen verkneift man es sich meistens. Dabei tut es Körper, Geist und Seele ausgesprochen wohl. Ein Dilemma, dem man offenbar nur entgehen kann, indem man es allein im stillen Kämmerlein praktiziert. Es ist erstaunlich, wie man sich nach einem Nickerchen reckt und streckt, sich mit einem „Uaah“ entspannt dem Alltagsbewusstsein öffnet und wieder zu neuen Taten schreiten kann.