„Was ich denke, sag‘ ich und verbrauche meine Bosheit in meinem Atem“, schrieb der englische Dichter William Shakespeare 1608 in seinem „Coriolanus“ und berührt damit ein Thema, das in enger Verbindung mit dem Krankheitsbild Asthma steht.

Coriolanus, ein Feldherr, steht für gelebte Wehrhaftigkeit. Er litt vielleicht unter mangelndem politischen Weitblick, nicht aber unter Atemnot. Denn Konfliktfähigkeit und Asthma sind zwei Zustände, die sich in der Regel gegenseitig ausschließen. Ist der erste unterentwickelt, bereitet er oftmals den Boden für die Entstehung des zweiten.

Das Wort Asthma ist griechisch und bedeutet Atemnot, Engbrüstigkeit, Beklemmung. Etymologisch geht es auf die indogermanische Wurzel ane (hauchen, atmen) zurück, von dem sich auch das griechische Wort für Wind, anemos, herleitet oder das Wort pneuma (Hauch, Atem, Geist, Seele), auch bekannt als Begriff für den Heiligen Geist (hagion pneuma). Die etymologischen Zusammenhänge machen deutlich, dass das Krankheitsbild Asthma bronchiale nicht nur mit dem Prozess des Atmens, sondern mit der inneren Freiheit des Individuums in Verbindung steht. Der Geist muss wehen können, wo er will. Wird dieses Wehen blockiert, entsteht Krankheit. In diesem Sinne kann Asthma bronchiale der körpersprachliche Ausdruck einer tief im Unterbewusstsein festsitzenden Hemmung sein. Das hat Konsequenzen für die Therapie, die vor allem bei langjährigen, hartnäckigen Fällen ohne tiefenpsychologische Verfahren, z. B. eine Psychoanalyse, oft nicht die gewünschten Erfolge bringt.