Fachforum
Naturheilpraxis 08/2019

Blasenschwäche

Weibliche Blasenstörungen – Teil 1

Unter dem Begriff "weibliche Blasenschwäche" versteht man sowohl einen häufigen Harndrang als auch den unwillkürlichen Harnverlust von Patientinnen. Die Inkontinenz kommt in zwei Formen vor, der Belastungs- und der Dranginkontinenz, wobei es auch Mischformen gibt. Im Rahmen des zweiteiligen Beitrags über "Weibliche Blasenstörungen" sollen die beiden häufigsten Inkontinenzformen vorgestellt werden.

Ein Beitrag von Nikolas Reichert
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Zamurovic Photography / shutterstock.com

Belastungsinkontinenz

Die Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz genannt, ist auf eine anatomische Schwäche der Beckenbodenmuskulatur und des Blasenschließmuskels zurückzuführen. Die Beckenbodenmuskulatur füllt das Becken wie einen Trichter aus und sorgt dafür, dass die Organe nicht der Schwerkraft folgen, sondern an ihrem Ort bleiben. Wird sie durch Druck von oben belastet, wie bei Übergewicht und Schwangerschaft, oder wird sie schwächer, durch Östrogenmangel nach den Wechseljahren und das zunehmende Alter, dann kann es zum Harnträufeln kommen; zum Beispiel bei bestimmten Körperbewegungen wie Heben und Tragen oder auch nur beim Aufstehen vom Sitzen, beim Husten, Niesen und Lachen. Die sogenannte Belastungsinkontinenz in der reinen Form kennt keine Vorboten wie Harndrang oder Schmerz, sondern passiert einfach aus heiterem Himmel, obwohl es auch zahlreiche Mischformen gibt.

Therapie

Folgende Therapieoptionen stehen zur Verfügung:

  1. Beckenbodengymnastik als oberste Pflicht für jede Frau
  2. Abbau von Übergewicht und einem dicken Bauch
  3. evtl. Östrogenersatz durch lokale Anwendung von Cremes und Vaginalzäpfchen
  4. operative Hilfen; nicht nur gynäkologische, die eine Gebärmuttersenkung betreffen, sondern auch die urologisch mögliche Anhebung der Harnröhre

Die Erfolgsquoten dieses operativen Eingriffs, der mithilfe eines Kunststoffbändchens minimalinvasiv oder auch ambulant durchgeführt wird, sind ermutigend angesichts des oft großen bzw. jahrelangen Leidensdruckes. Dabei wird ein kleines Band von der Scheide aus unter die Harnröhre gelegt, die beiden Enden lässt man je nach Technik in der Bauchdecke oberhalb des Schambeins (TVT) oder flacher in den Leistenbeugen (TOT) enden – ganz ohne Naht, denn das Material verwächst von allein.