Fachforum
Naturheilpraxis 06/2022

Bitter und süß – die Bauchspeicheldrüse als polares Organ

Ihre Darstellung im Auge – Teil 1

Die Bauchspeicheldrüse ist ein relativ kleines und oft unterschätztes Organ. In der klinischen Medizin wird sie in erster Linie mit Diabetes in Verbindung gebracht. Dass sie über die Regulierung des Blutzuckerspiegels hinaus noch viele weitere Funktionen hat, steht oft im Hintergrund. Die alten Irisdiagnostiker haben bei der Beschreibung der Zeichensetzung im Zusammenhang mit der Bauchspeicheldrüse unterschieden zwischen exokriner und endokriner Funktion. In der Praxis hat sich gezeigt, dass diese Einteilung häufig nicht zutrifft und eine Unterscheidung zwischen den beiden funktionellen Polen möglicherweise nicht von großer Bedeutung ist.

Ein Beitrag von Petra Kropf
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Die Bauchspeicheldrüse hat nicht nur funktionell, sondern auch anatomisch mehrere Bereiche. Sie gliedert sich in Kopf, Körper und Schwanz. Histologisch finden wir in den einzelnen Bereichen unterschiedliche Zelltypen, die verschiedene Zuständigkeiten haben. Grob können wir unterteilen in eine hormonelle Seite, die dem Haushalt von Insulin, Glukagon und dem Wachstumshormon Somatostatin zugeordnet wird, und in eine exokrine Seite, die die notwendigen Verdauungsenzyme für die Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung zur Verfügung stellt. Das sind konkret Lipasen, Amylasen und Peptidasen. Darüber hinaus bildet die Bauchspeicheldrüse das zur Alkalisierung des Speisebreis im Duodenum führende Hydrogencarbonat. Das alles in einem Organ, das gerade mal 60-100 Gramm wiegt und ca. 14-18 Zentimeter lang ist. Nicht ohne Grund wird in der TCM die Bauchspeicheldrüse dem Funktionskreis der Mitte zugeordnet, denn man könnte doch meinen, dass sich in ihr der Dreh- und Angelpunkt für unsere Verdauung verkörpert.

Die auf den ersten Blick recht unterschiedlichen Produkte der Bauchspeicheldrüse stehen in einem sinnvollen Zusammenhang, wie sich bei näherem Hinschauen unschwer erkennen lässt. Damit das Insulin seine Hauptaufgabe, nämlich die Glukose in die Zellen zu bringen, erfüllen kann, muss die Nahrung zuerst in ihre Bestandteile zerlegt werden. Dazu dienen die pankreatischen Enzyme. Es erfolgt also im Rahmen des Verdauungsvorgangs eine komplette Zerstörung der Nahrung. Aus den Abbauprodukten können nun die für den Organismus notwendigen Substanzen aufgebaut werden. Diese Aufbauprozesse werden u. a. durch das Insulin und das Somatostatin geregelt. Steuerung von Abbau und Aufbau erfolgen also über ein und dasselbe Organ.