Ausreichend Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung, um frisch und erholt zu wirken. Zu wenig oder schlechter Schlaf fördert hingegen die Alterung der Zellen und lässt uns sprichwörtlich schnell alt aussehen – von der psychischen Belastung durch Schlafmangel ganz zu schweigen. Mit dem Älterwerden nehmen jedoch oft auch Quantität und Qualität des Schlafes ab, was Betroffene häufig dazu verleitet, zu Schlafmitteln zu greifen. Diese haben jedoch ihre Tücken und können selbst zum Schlafräuber werden.

Benzodiazepine kommen immer wieder in die Schlagzeilen. Diese sedierend wirkenden Substanzen sollten eigentlich nicht länger als vier Wochen eingenommen werden, doch sie sind nicht nur für Senioren der „little helper“ bei Schlafstörungen, zu dem sie allabendlich greifen – über Jahre hinweg. Wegen der nachlassenden Wirksamkeit steigt der Bedarf zunehmend, mit ihm häufen sich jedoch oftmals die Nebenwirkungen. Die Abhängigkeitsgefahr ist zudem groß.

Die natürliche Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus

Mit dem Einbruch der Dunkelheit sinkt der Anteil des blauen Lichts, wodurch in der Epiphyse die Melatoninausschüttung angeregt wird. Melatonin ist ein Neurohormon, das an der Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt ist. Mit steigender Melatoninkonzentration im Blut wechselt der Organismus in die Nachtphase und leitet so Müdigkeit und Schlafbereitschaft ein. Diese hält idealerweise bis zum Sonnenaufgang an, wenn die Zunahme von blauem Licht für eine Drosselung der Melatoninfreisetzung sorgt. Der Melatoninspiegel steigt je nach Jahreszeit zwischen 18 Uhr und 3 Uhr steil an, erreicht in dieser Zeit das Zehnfache der tagsüber gebildeten Menge und fällt daraufhin bis zum Mittag langsam wieder ab. Doch die Spitzenwerte von Melatonin im Blut sind im Alter deutlich niedriger als in jungen Jahren. 50- bis 65-Jährige bilden nachts im Durchschnitt nur noch halb so viel Melatonin wie 20- bis 35-Jährige. Je älter die Menschen werden, desto weniger Melatonin wird in ihrer Zirbeldrüse gebildet – ein Grund, weshalb Senioren meist weniger Schlaf brauchen als junge Menschen (s. Abbildung 1) (1).