Bei chronischen Kreuzschmerzen kann ein patientenspezifisches motorisches Training, das schmerzhafte durch schmerzfreie Bewegungen ersetzt, die funktionellen Einschränkungen besser lindern als reines Kraft- und Bewegungstraining. Das ist das Ergebnis einer kleinen US-amerikanischen Vergleichsstudie. Der Nutzen des funktionsorientierten Trainings zeigte sich in der Studie sogar noch nach einem Jahr. Kraft- und Flexibilitätstraining (KFT) zielt darauf, sämtliche Muskeln und Gelenke zu stärken, die an Bewegungen der Wirbelsäule beteiligt sind. Beim patientenspezifischen motorischen Training (PMT) werden hingegen Alternativen zu schmerzhaften Bewegungen geübt, um so vor allem die Alltagsfunktion zu verbessern. Dabei wird zunächst geprüft, welche Funktionen aufgrund der Schmerzen nicht oder kaum noch möglich sind. Darauf basierend werden den Patienten alternative Bewegung in einem personalisierten Trainingsprogramm beigebracht, um genau diese Funktionen wieder zu ermöglichen. Beispielsweise können Betroffene in die Hocke gehen, um etwas aufzuheben, anstatt sich danach zu bücken. Sechs Wochen lang erhielt eine Hälfte der insgesamt 154 Studienteilnehmer pro Woche eine Stunde PMT, die andere Hälfte pro Woche eine Stunde KFT. Alle sollten das Training zu Hause fortführen. Der Grad der funktionellen Einschränkung lag zu Beginn in beiden Gruppen bei rund 32 Prozent. Nach den sechs Wochen Training lag er in der PMT-Gruppe bei 13, in der KFT-Gruppe bei 21 Prozent – ein signifikanter Unterschied. Ein Jahr später lag er in der PMT-Gruppe bei elf, in der KFT-Gruppe bei 17 Prozent. Das PMT scheint also auch längerfristig wirksam und dem KFT überlegen zu sein. Auch die durchschnittlichen Schmerzen sowie der Schmerzmittelgebrauch gingen mit PMT deutlich stärker zurück.

Quelle

ÄrzteZeitung. n.rpv.media/2ll