Die Augendiagnose stellt für viele Heilpraktiker ein unverzichtbares Basisinstrument der Diagnose dar. Auf der anderen Seite verliert die Augendiagnose an Bedeutung. Immer weniger Kollegen lassen sich zum Irisdiagnostiker ausbilden. Welchen Stellenwert hat die Augendiagnose, wie kann sie erfolgreich eingesetzt werden und welche Tipps gibt es für Einsteiger? Darüber sprachen wir mit Piet van den Toorn. Er hat die Augendiagnose knapp fünf Jahrzehnte lang angewandt und sie als Referent und Mitglied des Arbeitskreises für Augendiagnose und Phänomenologie Josef Angerer e. V. begleitet.

Herr van den Toorn, Sie haben im vergangenen Sommer ihre Praxistätigkeit mit achtzig Jahren beendet, nachdem Sie sich fünf Jahrzehnte lang intensiv mit der Augendiagnose befasst haben. Wie sind Sie in ihrer Praxis vorgegangen, etwa nach dem „Rezept aus dem Auge“?

Für mich war es ein Diagnose-Screening. Wo liegen die Schwachpunkte des Patienten und wie beeinflussen sich diese gegenseitig? Sehe ich eine flache Lakune auf dem Herzsektor, wird sich eine Herzmuskelschwäche wahrscheinlich erst im Alter bemerkbar machen. Sehe ich dazu eine oder mehrere Nierenlakunen, ist die Situation ernster. Dann schaue ich gleich nach, ob sich bereits Wasseransammlungen in Form von Knöchelödemen bemerkbar machen. Es ist einer der großen Vorteile der Augendiagnose, dass ich Zusammenhänge auf einem Blick erkennen kann.