Interview
Naturheilpraxis 04/2020

Augendiagnose – Zusammenhänge auf einen Blick

Die Augendiagnose stellt für viele Heilpraktiker ein unverzichtbares Basisinstrument der Diagnose dar. Auf der anderen Seite verliert die Augendiagnose an Bedeutung. Immer weniger Kollegen lassen sich zum Irisdiagnostiker ausbilden. Welchen Stellenwert hat die Augendiagnose, wie kann sie erfolgreich eingesetzt werden und welche Tipps gibt es für Einsteiger? Darüber sprachen wir mit Piet van den Toorn. Er hat die Augendiagnose knapp fünf Jahrzehnte lang angewandt und sie als Referent und Mitglied des Arbeitskreises für Augendiagnose und Phänomenologie Josef Angerer e. V. begleitet.

Ein Gespräch mit Piet van den Toorn
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Petra Kropf

Herr van den Toorn, Sie haben im vergangenen Sommer ihre Praxistätigkeit mit achtzig Jahren beendet, nachdem Sie sich fünf Jahrzehnte lang intensiv mit der Augendiagnose befasst haben. Wie sind Sie in ihrer Praxis vorgegangen, etwa nach dem „Rezept aus dem Auge“?

Für mich war es ein Diagnose-Screening. Wo liegen die Schwachpunkte des Patienten und wie beeinflussen sich diese gegenseitig? Sehe ich eine flache Lakune auf dem Herzsektor, wird sich eine Herzmuskelschwäche wahrscheinlich erst im Alter bemerkbar machen. Sehe ich dazu eine oder mehrere Nierenlakunen, ist die Situation ernster. Dann schaue ich gleich nach, ob sich bereits Wasseransammlungen in Form von Knöchelödemen bemerkbar machen. Es ist einer der großen Vorteile der Augendiagnose, dass ich Zusammenhänge auf einem Blick erkennen kann.

Neben der Augendiagnose ist das Gespräch mit dem Patienten enorm wichtig. Meine Erstuntersuchung habe ich jedoch immer mit der Augendiagnose angefangen und nur vorab gefragt, welche Operationen der Patient bereits durchgemacht hat. Ich wollte zunächst unbeeinflusst die Augendiagnose machen. Während der ergaben sich automatisch weitere gezielte Fragen.

Und anschließend weitere Untersuchungen. Sehe ich ein Magen-Darm- oder Gallenzeichen, frage ich nach der Augendiagnose, ob ich den Bauch abtasten darf. Sehe ich Hinweise auf die Wirbelsäule, schaue ich den Rücken des Patienten an und kontrolliere den Finger-Boden-Abstand, achte darauf, ob sich der Rücken beim Bücken gleichmäßig rundet. Ich erzähle das, damit Sie sehen: Augendiagnose und körperliche Untersuchung gehen Hand in Hand.

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Naturheilpraxis 04/2020

Erschienen am 01. April 2020