Fachforum
Naturheilpraxis 01/2019

Augendiagnose und Neurodermitis – wie geht das?

Neurodermitis ist eine Krankheit mit vielen Facetten. Sie entsteht in einem Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, immunologischer Ausgangslage und Umweltfaktoren, die insgesamt auch Erkrankungszeitpunkt, Schwere, Morphologie, Lokalisation und Verlauf der Krankheit beeinflussen. Eine allergische Komponente (mit und ohne IgE-Nachweis) findet sich sehr häufig.

Ein Beitrag von Hermann Biechele
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Bei der Komplexität des Geschehens kann die Augendiagnose in Kombination mit dem naturheilkundlichen Denkmodell erhellen, auf welchem konstitutionellen Boden die Neurodermitis entsteht und welche Therapieoptionen sich daraus ergeben.

Die Haut als Ausscheidungsfläche

Die Naturheilkunde kennt mehrere Ausscheidungsschritte: die Drainage der Gewebe über Blut und Lymphe (innere Elimination) und nachgeordnet die physiologische Ausscheidung über die Ventile Leber, Darm, Nieren, Lungen und Haut (äußere Elimination). Eine gestörte Elimination führt zur Retoxikation und Deposition im Mesenchym. Augendiagnostische Hinweise sind zum Beispiel die Pinguecula, Belastungszeichen in der Karunkel oder Fremdpigmente. Es kann auch zu einer Ersatzausscheidung kommen, z. B. als Katarrh über die Schleimhaut oder als Ekzem über die Haut. Augendiagnostisch finden wir dann unter anderem Depositionszeichen (Verschmierungen, Tophi, Plaques).

Der Weg in die Krankheit und das Kranksein

Eine einfache Ursache-Wirkung-Beziehung erklärt eine Krankheit vordergründig gut. Aber wird Kranksein wirklich verstanden, nur weil man einzelne Reaktionsschritte in der Pathophysiologie kennt? Vielmehr geht es darum, konstitutionelle und systemische Zusammenhänge zu erkennen und damit die individuelle „Leitschiene in die Pathologie“ (Deck). Weil alles mit allem zusammenhängt, ist nicht nur das einzelne Organ krank, sondern die „Seinseinheit Mensch“ (Hauser) als Komplex aus psychisch-seelischen, neurovegetativen und hormonellen Komponenten und Wechselwirkungen. Diese Vorstellung der Naturheilkunde vom Krankwerden und Kranksein wird inzwischen auch von der klinischen Medizin akzeptiert – im Sinne der Psycho-Neuro-Immuno-Endokrinologie.