Fachforum
Naturheilpraxis 12/2019

Anstellung eines Heilpraktikers durch einen Heilpraktiker

Probleme und mögliche Alternativen in der täglichen Praxis

Um die Behandlung von Patienten delegieren zu können, bietet sich das Anstellen eines Kollegen an. Doch was ist bei so einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zu beachten und welche Alternativen gibt es?

Ein Beitrag von Frank Scheuchl, Michael Dligatch und Simone Rösing
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Alexander Kirch/shutterstock.com

Vielen Heilpraktikern (HP) ist das Thema Scheinselbstständigkeit sehr bewusst, und sie suchen nach Auswegen. Die sauberste Lösung, eine Scheinselbstständigkeit zu umgehen, ist die Anstellung eines Kollegen, also ein sogenanntes abhängiges Beschäftigungsverhältnis i. S. d. § 611a BGB. Dies führt zu den unmittelbaren Verpflichtungen des Arbeitgebers, die Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten, die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft zu übernehmen, der Pflicht zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und während des Urlaubes nachzukommen usw. Zu hinterfragen sind in diesem Zusammenhang Fälle, bei denen die Behandlung nicht der Praxisinhaber selbst durchführt, sondern der angestellte Heilpraktiker.

Delegation an einen angestellten Heilpraktiker

Eine gewöhnliche Situation im Praxisalltag könnte dann so aussehen, dass für einen (neuen) Patienten ein Termin vereinbart werden soll. Der Patient erfährt, dass er nicht vom Inhaber der Praxis behandelt wird, sondern von einem Kollegen. Beim Erstkontakt klärt dieser den Patienten über den Datenschutz in der Praxis sowie über die notwendigen Untersuchungs- und Behandlungsschritte und mögliche Alternativen auf. Daraufhin wird der Behandlungsvertrag abgeschlossen, am besten schon mit dem Hinweis versehen, dass nicht der Praxisinhaber die Leistung erbringen wird. Alle verwendeten Dokumente tragen den Namen der Praxis bzw. des Praxisinhabers. Ein Behandlungsvertrag in Schriftform ist grundsätzlich zu empfehlen, allerdings nicht unbedingt notwendig (siehe unten). Die tatsächliche Leistung wird von einem voll ausgebildeten, angestellten Berufsträger (d. h. Heilpraktiker) erbracht, also in Delegation. Solche Konstellationen kommen in der Praxis insbesondere bei großen Arztpraxen vor. So gibt es z. B. einen Praxisinhaber und mehrere angestellte Ärzte. Die angestellten Ärzte führen die Behandlungen von Patienten in fachlicher Hinsicht völlig selbstständig durch. Auch in Heilpraktikerpraxen sind solche Konstellationen durchaus denkbar. Das Heilpraktikergesetz (HeilprG) sieht vor, dass, wer die Heilkunde ausübt, der Erlaubnis bedarf (§ 1 I HeilprG) und diese auch im Auftrag von anderen erbringen kann (§ 1 II HeilprG). Eine Delegation der (vollständigen) Behandlungen an einen anderen Heilpraktiker, der Arbeitnehmer in der Praxis ist, ist also grundsätzlich möglich. Der Praxisinhaber muss sich allerdings davon überzeugen, dass der angestellte Heilpraktiker tatsächlich in der Lage ist, die Behandlung selbstständig durchzuführen. Das heißt, ob er über eine ausreichende Ausbildung in diesem Gebiet verfügt oder ob seine berufliche Erfahrung ausreichend ist, um diese Behandlung selbstständig und ohne Überwachung durchzuführen. Diese Konstellation ist nicht zu verwechseln mit einer anderen Konstellation, in der derjenige, an die die Behandlung delegiert werden soll, kein Heilpraktiker ist, sondern z. B. Praxishelfer, Physiotherapeut usw. In diesem Fall ist eine vollständige Delegation der Behandlung ohnehin nicht möglich (vgl. hierzu die vorangegangenen Erläuterungen zu dieser Thematik in früheren Ausgaben).

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Naturheilpraxis 12/2019

Erschienen am 02. Dezember 2019