Die Patienten scheinen zunächst unauffällig und ganz normale Mitglieder der Gesellschaft zu sein. Erst bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass etwas nicht stimmt: Sie vermeiden gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie, Sport wird ebenso wie tägliches Wiegen zum Muss, und die Kleidergröße schrumpft von Monat zu Monat. 

Hat der Zwang zu hungern einen Menschen ergriffen, besteht ohne therapeutische Hilfe die Gefahr, dass die Anorexie ein verheerendes Ende nimmt – die Letalität liegt bei 10 bis 15 %. Um als Therapeut rechtzeitig Hilfe leisten zu können, braucht es mehr Aufklärung über diese Erkrankung, die meist in der Adoleszenz beginnt.

Die Ursachen für die Entstehung einer Anorexie sind vielfältig

Für genetische Faktoren spricht eine familiäre Häufung, denn oftmals erkranken Verwandte ersten und zweiten Grades. Symptome wie restriktives Essverhalten und die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers können zu 46 % bis 72 % erblich bedingt sein. Außerdem haben Forschungen ergeben, dass die Prädisposition, eine Anorexie zu entwickeln, durch Mutationen des 5HT-2-A Rezeptor-Gens und des DRD-2-Rezeptor-Gens verstärkt werden kann. Beide Rezeptoren spielen eine wichtige Rolle im serotonergen und dopaminergen System, welches unsere Emotionen reguliert. Die daraus resultierende Dysbalance im Serotoninhaushalt kann die Aufrechterhaltung einer Magersucht stark beeinflussen. Serotonin ist als Neurotransmitter ein stimmungsaufhellendes Hormon. Es wird durch die Nahrungsaufnahme direkt beeinflusst, denn es benötigt zur Synthese vor allem Kohlenhydrate. Diese führt der Patient bei Essanfällen, die gelegentlich ein Symptom der Magersucht sein können, in Massen zu, was seine Stimmungslage zunächst positiv beeinflusst. Vermeidet er anschließend das Essen, kommt es zu einem physiologischen Serotoninmangel, der zu einer depressiven Symptomatik führen kann (1).