Als Begründer der neuzeitlichen Anatomie gilt Andreas Vesal in der Geschichte der Medizin. Bereits als junger Student widersetzte er sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts der damals gültigen Lehrmeinung, die auf den griechischen Arzt Galen und dessen Erkenntnisse aus dem zweiten Jahrhundert zurückging. Vesal wollte es genauer wissen und sezierte und präparierte selbst Leichen. Sein Hauptwerk über den Aufbau des menschlichen Körpers umfasste schließlich sieben Bände mit 700 Seiten und mehr als 200 Illustrationen.

Studium und erste Zweifel an der Lehrmeinung

Die flämische Form seines Namens – Andries Witting van Wesel – verrät die Herkunft seiner Familie aus der Hansestadt Wesel am unteren Niederrhein. Geboren wird Andreas Vesal am 31. Dezember 1514 in Brüssel, wohin es seine Eltern gezogen hatte. Der Vater stand als Apotheker in Diensten Karls V. am Kaiserhof in Flandern. Und er soll es auch gewesen sein, der seinen Sohn früh für die Medizin begeisterte. Seine Schulausbildung absolviert Andreas Vesal ebenfalls in Brüssel. Ab dem Jahre 1530 studiert er alte Wissenschaften und Sprachen an der damals weithin berühmten Universität Löwen. Bereits ein Jahr später wechselt er jedoch in das Studienfach Medizin.