Augendiagnose ist auch für Akupunkteure interessant: Mit rudimentären Kenntnissen und quasi über den Schreibtisch hinweg können Sie beim Blick in die Augen des Patienten dessen Konstitution erkennen und die „Wurzelbehandlung“ bestimmen, d. h. die Therapie, die auf die Wurzel der Erkrankung abzielt. Umgekehrt nützt auch dem Augendiagnostiker die Integration taoistischer Elemente in sein diagnostisches Repertoire.

Verglichen mit dem „Augenblick“, den es braucht, um per Augendiagnose prädispositionelle und konstitutionelle Faktoren zu bestimmen, erfordert es schon erheblich mehr Aufwand, um z. B. nach den Regeln der Akupunkturschule von J. R. Worsley (1) oder der koreanischen Sa-Am-Schule (2) zum selben Ziel zu kommen. Die Domäne der Augendiagnose ist die Konstitutionsbestimmung (3); Beispiele hierfür finden sich schon bei Hildegard von Bingen und in der antiken Komplexionslehre. Der Felkeschülerin Magdalena Madaus (4) ist es zu verdanken, dass die Konstitutionsbestimmung in der Augendiagnose heute den Platz einnimmt, der ihr gebührt. Die meisten Augendiagnostiker folgen aktuell der Einteilung nach Josef Deck (5, 6), bei der zwischen drei Iriskonstitutionen, fünf Diathesen und fünf Dispositionen unterschieden wird. Auch in diesem Artikel folgen wir dieser Einteilung.