Fachforum
Naturheilpraxis 06/2019

Akupunktur meets Augendiagnose

Augendiagnose ist auch für Akupunkteure interessant: Mit rudimentären Kenntnissen und quasi über den Schreibtisch hinweg können Sie beim Blick in die Augen des Patienten dessen Konstitution erkennen und die "Wurzelbehandlung" bestimmen, d. h. die Therapie, die auf die Wurzel der Erkrankung abzielt. Umgekehrt nützt auch dem Augendiagnostiker die Integration taoistischer Elemente in sein diagnostisches Repertoire.

Ein Beitrag von Christian Heimüller
Lesezeit: ca. 9 Minuten
Christian Heimüller

Verglichen mit dem „Augenblick“, den es braucht, um per Augendiagnose prädispositionelle und konstitutionelle Faktoren zu bestimmen, erfordert es schon erheblich mehr Aufwand, um z. B. nach den Regeln der Akupunkturschule von J. R. Worsley (1) oder der koreanischen Sa-Am-Schule (2) zum selben Ziel zu kommen. Die Domäne der Augendiagnose ist die Konstitutionsbestimmung (3); Beispiele hierfür finden sich schon bei Hildegard von Bingen und in der antiken Komplexionslehre. Der Felkeschülerin Magdalena Madaus (4) ist es zu verdanken, dass die Konstitutionsbestimmung in der Augendiagnose heute den Platz einnimmt, der ihr gebührt. Die meisten Augendiagnostiker folgen aktuell der Einteilung nach Josef Deck (5, 6), bei der zwischen drei Iriskonstitutionen, fünf Diathesen und fünf Dispositionen unterschieden wird. Auch in diesem Artikel folgen wir dieser Einteilung.

Zuordnung der Konstitutionen, Dispositionen und Diathesen zu den Elementen

Die augendiagnostischen Merkmale der verschiedenen Konstitutionen, Dispositionen und Diathesen finden Sie im Kasten „Beschreibung der Konstitutionen“.

Beschreibung der Konstitutionen

  • lymphatische Iris-Konstitution: blaue Iris
  • Mischkonstitution der Iris: blaue, graue oder grüne Iris mit zentralem braunen Pigment
  • hämatogene Iriskonstitution: braune Iris
  • neurogene Disposition: feine und straffe Irisfasern
  • vegetativ-spastische Disposition: Zirkulärfurchen und Radiärfurchen
  • tuberkuline Disposition: plastische schnurartige Krause, „gekämmtes Haar“
  • exsudative Diathese: Tophi (kleine weißliche Wölkchen) am Irisrand
  • Übersäuerungsdiathese: milchiger Schleier und/oder weiße Plaques
  • dyskratische Diathese: multiple (braune) Pigmentflecken in der Iris
  • lipämische Diathese: Cholesterolring – ein grauer Ring am Irisrand
  • allergische Diathese: multiple spastische Gefäße, die schnurgerade auf die Iris zulaufen

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Naturheilpraxis 06/2019

Erschienen am 03. Juni 2019