Fachforum
Naturheilpraxis 01/2020

Aktuelles zu Causticum und seinen Verwandten

Um das homöopathische Arzneimittel Causticum (Ätzstoff) gab es von Beginn an heftige Auseinandersetzungen. So bezeichnete Phillip Wilhelm Ludwig Griesselich, ein Zeitgenosse Hahnemanns, Arzt und Homöopath, Causticum als "chemisches Unding" (1). Bis heute ist nicht sicher, was Causticum für ein Stoff ist und wie man es richtig herstellt. Doch es gibt neue Forschungsergebnisse.

Ein Beitrag von Roger Rissel
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Causticum wird in der homöopathischen Therapie angewendet, trotz wichtiger ungeklärter Fragen zu seiner chemischen Identität. Die Arbeit des Apothekers und Homöopathen Andreas Grimm (1) schien Klarheit darüber zu geben, dass es sich bei Causticum um eine schwache Kalilauge handelt. Seit Kurzem liegen die spannenden Forschungsergebnisse des Arztes Thomas Quak und des Chemikers Karl-Heinz Jansen zur Gewinnung des Causticums vor (2). Diese widersprechen dem Ergebnis von Grimm.

Auch die Materia Medica zu Causticum muss als problembeladen betrachtet werden, da die Prüfungssymptome von unterschiedlichen Prüfsubstanzen zusammengeführt worden sind (3).

Die chemische Natur von Causticum

Andreas Grimm

In den „Chronischen Krankheiten“ (CK) beschreibt Hahnemann die Herstellung von Causticum als Destillat einer Mischung von gebrannter, gelöschter Kalkerde, Kaliumhydrogensulfat und siedendem Wasser (3). Nach diesen Vorgaben hat Andreas Grimm Causticum hergestellt, das Destillat untersucht und seine Ergebnisse 1989 publiziert (1). Grimm hat dazu eigens einen Helm aus Ton entsprechend Hahnemanns Vorgaben nachgebaut und wie Hahnemann eine Schweinsblase zum Abdichten verwendet. Er nutzte wie Hahnemann ein Kohlenfeuer als Wärmequelle. Chemisch betrachtet bilden sich aus den eingesetzten Stoffen im Kolben Kalilauge und Kalziumsulfat, die dann destilliert werden. Als Ergebnis der chemischen Untersuchung des Destillates gibt Grimm an, eine verdünnte Kalilauge bestimmt zu haben. Da die Kalilauge unter normalen Bedingungen nicht mit dem Wasser überdestillieren würde, nennt er Siedeverzüge, die zum Hochspritzen der Kalilauge führen, und die Sublimation1 von Kaliumhydroxid (KOH) als mögliche Erklärungen dafür, dass bei der Destillation dennoch KOH in das Destillat übergehe.

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Naturheilpraxis 01/2020

Erschienen am 02. Januar 2020