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23. Januar 2023

Allergische Rhinitis durch Tierhaarallergie

Wenn Haustiere zum Problem werden

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Hananeko_Studio / shutterstock.com

Ganze 34,7 Millionen Tiere sind Mitbewohner in deutschen Haushalten (1). Hunde oder Pferde kommen zudem in der Therapie oder als Begleittiere zum Einsatz. Klagen Patienten über klassische Symptome einer allergischen Rhinitis, kann das Haustier der Auslöser sein. Allergisch sind Betroffene auf bestimmte Proteine (Allergene), die aus Hautschuppen, Haaren, Federn, Speichel, Talg, Kot oder Urin der Tiere stammen (2). Bei Patienten, mit persistierenden Allergiesymptomen gegen Tierepithelien steht eine verlegte Nasenatmung im Vordergrund, auch Niesattacken und Hypersekretion können eine Rolle spielen (3). Neben Hausstaubmilben sind Tierepithelien die häufigsten Auslöser für Innenraumallergien. Etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung sind Schätzungen zufolge gegen Tierepithelien sensibilisiert. Doch betroffen sind nicht nur Tierhalter oder Tierärzte, sondern auch Menschen ohne Haustiere oder direktem Kontakt zu Tieren (4). Bei der Allergie gegen Tierepithelien handelt es sich um eine Inhalationsallergie: Die Allergene binden sich an Staubpartikel und können so stundenlang in der Luft schweben, ehe sie zu Boden sinken oder in Kleidern und Haaren landen – sodass sie auch in Räumen eingeatmet werden können, in denen kein Tier anwesend war (5). Katzen scheiden verschiedene Allergenmoleküle aus, von denen das Fel d 1 (Uteroglobin) die bedeutendste Rolle einnimmt und zudem auch das Markerallergen für die Diagnose einer Katzenhaarallergie ist (6). Bislang sind neunzehn unterschiedliche Allergene für Katzen und sechs für Hunde identifiziert worden.5 Eine molekulare Allergiediagnostik ist sinnvoll, um Hinweise auf Kreuzreaktionen zu erhalten (7). Beispielsweise ähnelt der Aufbau des Hundeallergens Can f 6 dem des Pferdeallergens Equ c 1 und des Katzenallergens Fel d 4. Deswegen sind viele Menschen, die auf Can f 6 reagieren, auch allergisch gegen Katzen- und Pferdeepithelien.7

Führender Auslöser: Katzenepithelien

Beim Menschen stellen Katzen die Hauptursache für allergische Symptome, wie Niesen oder Jucken, aufgrund von Tierepithelien dar. Das liegt daran, dass Katzenallergene von allen Tierallergenen die besten Schwebeigenschaften besitzen und in Speichel-, Talg- und Analdrüsen sowie in der Haut und der Tränenflüssigkeit der Tiere vorhanden sind. Durch die außerordentlichen Schwebeeigenschaften verbleiben Katzenallergene auch nach Auszug der Katze aus der Wohnung noch über Monate und Jahre in der Luft (8). Übrigens: Auch Hunde können eine allergische Rhinitis verursachen. Dass es gänzlich allergenfreie Hunderassen gibt, scheint hingegen ein Mythos zu sein: Neuere Untersuchungen konnten weder rassen- noch geschlechtsspezifische Unterschiede klar feststellen, die auf einen allergenfreien Hund schließen lassen. Bei allen Hunden fand man das Hauptallergen Can f 5, wenn auch in deutlich unterschiedlicher Menge.9 Verantwortlich für die Entstehung einer Allergie sind sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit zeigt außerdem, dass Allergien mit einem Nährstoffmangel einhergehen können (9). Denn ist der Körper nicht ausreichend mit immunrelevanten Mikronährstoffen, allen voran Eisen, versorgt, kann das Immunsystem beeinflusst werden und der Körper sensibler auf Pollen oder andere Allergene, wie z. B. Tierepithelien, reagieren.

Allergenminimierung: Das können Patienten tun

Können Katzen-Besitzer sich trotz allergischer Beschwerden, Asthma und Schlafmangel – wie es nicht selten der Fall ist (10) – nicht von ihrem Tier trennen, könnten folgende Maßnahmen zur Allergenminimierung beitragen:

  • Beispielsweise bietet es sich an, konsequent tierfreie Räume zu gestalten, etwa das Schlafzimmer.
  • Mit Tierhaaren behaftete Kleidung am besten außerhalb des Schlafzimmers ausziehen und dort belassen.
  • Luftreinigungsgeräte können helfen, die Allergenbelastung im ganzen Haus oder der Wohnung zu senken.
  • Der gesamte Lebensraum sollte sehr regelmäßig gereinigt werden.
  • Dazu kann es hilfreich sein, das Tier täglich mit einem feuchten Tuch abzuwischen, um die Allergenabgabe in die Luft zumindest etwas zu senken

(1) https://www.ivh-online.de/der-verband/daten-fakten/anzahl-der-heimtiere-in-deutschland.html (zuletzt abgerufen am 19.10.2022)
(2) https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/tierhaarallergie.html (zuletzt abgerufen am 19.10.2022)
(3) Niederberger-Leppin V, Gangl K. Diagnostik und Therapie der allergischen Rhinitis. Journal für Pneumonologie 2016; 4(1): 26–29
(4) https://www.ecarf.org/info-portal/allergien/tierhaarallergie/ (zuletzt abgerufen am 19.10.2022)
(5) https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/tierhaarallergie/grundlagen.html (zuletzt abgerufen am 19.10.2022)
(6) Grönlund H, et al. Higher immunoglobulin E antibody levels to recombinant Fel d 1 in cat-allergic children with asthma compared with rhinoconjunctivitis. Clin Exp Allergy. 2008; 38(8):1275–1281
(7) Hemmer W et al. Molecular sensitization patterns in animal allergy: Relationship with clinical relevance and pet ownership. Allergy 2021; 76(12): 3687–3696
(8) https://www.daab.de/allergien/wichtig-zu-wissen/hauptausloeser/tierhaare/ (zuletzt abgerufen am 19.10.2022)
(9) Roth-Walter, F., Compensating functional iron deficiency in patients with allergies with targeted micronutrition. Allergo J Int 2021. 30; 130-134
(10) Safdar K. My cat allergy is killing me, but Cupcake stays. Wall Street Journal. https://www.wsj.com/articles/my-cat-allergy-is-killing-me-but-cupcake-stays-11553784452 (zuletzt abgerufen am 19.10.2022)

Quelle: Bencard GmbH