Bekannte Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf sind unter anderem Übergewicht, Diabetes und Alter. Die Zellbiologin Professor Dr. Sim Singhrao und die Zahnärztin Dr. Alice Harding, zwei Forscherinnen der University of Central Lancashire, weisen jetzt darauf hin, dass Menschen mit einer intakten Mundflora ein deutlich geringeres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben.

Mehrere Publikationen weisen auf diesen Zusammenhang hin, zuletzt eine Fallkontrollstudie aus Katar, die zeigte, dass Covid-19-Patienten mit bestehender Parodontitis häufiger auf eine Intensivstation müssen, häufiger beatmet werden müssen und sogar neunmal häufiger sterben als Patienten mit intakter Mundflora.

„Das mag zunächst schockieren, aber die Tatsache, dass es eine Verbindung zwischen der Mundgesundheit und Covid-19 gibt, überrascht wenig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass auch zwischen anderen Erkrankungen und der Mundgesundheit ein Zusammenhang besteht“, betonen die beiden Forscherinnen.

Systemische Entzündung als Risikofaktor?

Noch gravierender als die Schäden, die eine Parodontitis lokal anrichtet, können die systemischen sein, wie Singhrao und Harding ausführen. Erhöhte Blutwerte des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP), wie sie bei schlechter Mundhygiene auftreten, weisen auf eine schwelende Entzündung im Körper hin. Dies macht es wahrscheinlicher, dass es zu einem Zytokinsturm kommt. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie um Amany Hany Mohamed Kamel von der Universität Kairo, die im Fachjournal „British Dental Journal“ veröffentlicht wurde.

Oder eine bakterielle Superinfektion?

Möglich sei auch, dass bakterielle Superinfektionen erheblich zu dem erhöhten Risiko beitrügen, so Singhrao und Harding. Jeder vierte COVID-19-Patient weist eine Superinfektion auf, bei Intensivpatienten sind es sogar 41 Prozent. So berichtet ein Autorenteam um Dr. Jackson Musuuza von der University of Wisconsin im Fachjournal „PLOS one“.

Fazit

Die Zusammenhänge sind noch nicht eindeutig geklärt, aber die Evidenz reiche aus ihrer Sicht aus, um eine schlechte Mundhygiene als Risikofaktor für einen schweren Verlauf zu etablieren, so Singhrao und Harding.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung

 

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