Als Heilpraktiker beschäftigt man sich mit der Naturheilkunde. Die Bandbreite der Heilmethoden, derer sich ein Heilpraktiker bedient, ist groß und breit gefächert. Dazu gehören unter anderem Akupunktur, Homöopathie und Osteopathie. In Deutschland ist der Heilpraktiker ein geregelter Beruf und unterliegt dem Heilpraktikergesetz.

Was macht ein Heilpraktiker?

Die Naturheilkunde stellt eine Alternative zur klassischen Medizin dar. In Deutschland gibt es den Beruf des Heilpraktikers bereits seit den 1930er-Jahren, das Heilpraktiker Gesetz wurde 1939 verabschiedet. Die Aufgabe des Heilpraktikers besteht darin, die Selbstheilungskräfte des Patienten zu aktivieren und zu fördern. Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Heilpraktiker gehen Beschwerden auf den Grund und versuchen, die Ursache für eine bestimmte Erkrankung zu erkennen und zu heilen, statt lediglich Symptome zu lindern.

Genau wie bei einem Arzt beginnt auch beim Heilpraktiker die Behandlung mit einer Anamnese und Untersuchung. Allerdings verfolgen Heilpraktiker einen ganzheitlichen Ansatz, sodass nicht nur körperliche, sondern auch seelische Aspekte bei der Behandlung berücksichtigt werden. Patienten werden in der Regel über einen längeren Zeitraum hinweg behandelt, wobei die Behandlung individuell angepasst wird.

Arbeitsalltag und Gehaltsaussichten

Der Arbeitsalltag eines Heilpraktikers steht in direktem Verhältnis zu seinen Patienten und deren Leiden. Wie vieler Patienten sich ein Heilpraktiker an einem einzigen Tag annimmt, hängt von den jeweiligen Beschwerden und den Behandlungen ab. Außerdem fallen auch organisatorische Aufgaben an: Es müssen z. B. auch Behandlungen dokumentiert und Rechnungen erstellt werden. Die meisten Heilpraktiker arbeiten in einer eigenen Praxis. Doch es gibt auch Heilpraktiker, die in physiotherapeutischen oder Reha-Zentren tätig sind.

Die Berufsaussichten für Heilpraktiker sind gut bis sehr gut, da alternativmedizinische Verfahren in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Für viele Menschen ist der Heilpraktiker sogar die erste Anlaufstelle, um ihre Gesundheit wiederherzustellen. Das jeweilige Gehalt ist stark vom Standort und den Patienten abhängig. Laut Daten des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2018 beträgt der Umsatz im Durchschnitt 82.300 Euro pro Praxis, wobei diese Angabe Voll- und Teilzeitpraxen umfasst.

Die Ausbildung zum Heilpraktiker

Die Ausbildung zum Heilpraktiker umfasst mehrere Fachgebiete. Dazu zählen unter anderem Kenntnisse über die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers sowie über die allgemeine und spezielle Krankheitslehre (Pathologie). Angehende Heilpraktiker lernen, Erkrankungen korrekt zu diagnostizieren. Zum Lernstoff gehören zudem auch allgemeingültige Aussagen über den Ablauf von

Infektionen (Allgemeine Infektionslehre) und den spezifischen Ablauf spezieller

Infektionserkrankungen (Spezielle Infektionslehre). Studierende erfahren, bei welchen

Infektionskrankheiten eine amtsärztliche Meldepflicht besteht. Weitere wichtige Punkte sind auch das Betreiben einer Praxis und die dafür benötigten Kenntnisse über hygienische Maßnahmen und spezielle gesetzliche Grundlagen (z. B. Verbot von Zahnbehandlungen, Geburtshilfe usw.). Die Ausbildung beinhaltet auch praxisrelevante Kenntnisse über die wichtigsten Grundlagen der Ernährungslehre sowie über die Grundlagen, Grenzen (und auch Gefahren) der wichtigsten Naturheilverfahren. Zudem sind Vertiefungen in verschiedenen Feldern möglich:

·         Akupunktur

·         Ernährungsberatung

·         Heilpflanzenkunde

·         Klassische Homöopathie

·         Psychotherapie

·         Sportmedizin

In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Vorschriften zur Heilpraktiker Ausbildung. Die meisten Heilpraktiker absolvieren eine zwei bis drei Jahre dauernde Ausbildung, die mit der Heilpraktiker Prüfung endet. Auf die bestandene schriftliche Prüfung folgt eine mündliche Prüfung durch das

Gesundheitsamt. Die schriftliche Prüfung besteht aus einem Multiple-Choice-Test und findet zweimal jährlich (im März und Oktober) statt. Sie gliedert sich in 60 Fragen. Um die Prüfung zu bestehen, müssen 75 % der Fragen korrekt beantwortet worden sein. Im mündlichen Teil der Prüfung wird der Prüfling von einem Team von Prüfern zu Themen aus dem Ausbildungskatalog befragt. Die Prüfung dauert ca. 30-60 Minuten. Wichtige Themengebiete, die abgefragt werden, sind das Infektionsschutzgesetz, Impfungen, die Betreuung psychisch Kranker, aber auch gesetzliche Grenzen der Tätigkeit als Heilpraktiker.

Außerdem muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Wer die Heilpraktiker Prüfung ablegen möchte, muss mindestens 25 Jahre alt sein, über einen Hauptschulabschluss verfügen und ein polizeiliches Führungszeugnis ebenso wie ein ärztliches Attest vorweisen können. Bundesweit liegt die Durchfallquote bei 80 %. Je nach Bundesland kostet die Prüfung 300 bis 600 Euro, die der Prüfling selbst zu tragen hat.

Weitere Informationen unter: www.btb.info/berufswegweiser/berufsbild-heilpraktiker.html