Der deutsche Arzt und Geburtshelfer Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüßler entwickelte eine Behandlungsmethode, die sich bis in die heutige Zeit erhalten hat und erfolgreich Anwendung findet. Die Schüßler Salze gelten als einfache und dennoch effektive Möglichkeit, Körperbeschwerden auf sanfte Weise zu behandeln. In diesem Jahr wäre Wilhelm Heinrich Schüßler 200 Jahre alt geworden.

Wilhelm Heinrich Schüßler wurde am 21. August 1821 in Bad Zwischenahn geboren. Über seine Kindheit ist bedauerlicherweise recht wenig überliefert. Aufgrund ärmlicher Familienverhältnisse musste Wilhelm Heinrich Schüßler bereits 1835 das Gymnasium ohne Abschluss verlassen. Um die Familie finanziell zu unterstützen, nahm er die Stelle eines Amtsschreibers an.

Nebenbei interessierte er sich schon früh für Homöopathie, deren korrekte Anwendung er sich selbst beibrachte. Zudem verfügte er über ausgeprägte sprachliche Fertigkeiten und erlernte mehrere Fremdsprachen. Dies half ihm, im Alter von 30 Jahren in Paris ein Medizinstudium zu beginnen.

Medizinische Ausbildung mit Umwegen

An der berühmten École de Médecine studierte er zunächst einige Semester, ehe er über Berlin nach Gießen wechselte und dort sein Studium abschloss.

Schüßlers medizinische Ausbildung war durchaus kurios. Zum einen gelang es ihm ohne Abiturzeugnis ein Studium zu beginnen. Darüber hinaus erließ ihm die Universität Gießen ihm am Ende des Studiums gar die Dissertationsschrift. Da er das Medizinstudium in Paris begonnen hatte, galt er nach den damaligen Statuten als ausländischer Student. Diesen war die Dissertation ausdrücklich erlassen.

Das Fehlen des Abiturzeugnis wurde für Dr. Schüßler erst dann problematisch, als er sich in Oldenburg als praktizierender Arzt niederlassen wollte. Die Aufsichtsbehörde bemerkte nicht allein nur das Fehlen der Hochschulreife, sondern stellte außerdem fest, dass Wilhelm Heinrich Schüßler nicht die notwendige Semesteranzahl für eine ärztliche Approbation absolviert hatte. Es fehlten ihm zwei weitere Semester Medizin.

Er entschloss sich, die fehlende Abiturprüfung nachzuholen und noch weitere zwei Semester Medizin in Prag zu studieren. Im Alter von 36 Jahren konnte er dann im Januar 1858 seine Praxis in Oldenburg eröffnen.

Homöopathischer Arzt in einer Zeit der medizinischen Umbrüche

Wilhelm Heinrich Schüssler praktizierte als homöopathischer Arzt und war bei seinen Patienten sehr beliebt. Zwar wird er als etwas kauziger und pragmatischer Mensch beschrieben, dabei hatte er sein Herz jedoch am rechten Fleck. Er galt als Menschenfreund und behandelte zu geringen Honoraren und bis spät in die Nacht hinein.

Er lebte zu einer Zeit der medizinischen Umbrüche. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Physiologie und den Zellstoffwechsel flossen nach und nach auch in Schüßlers ärztliche Tätigkeit ein. Nach 15-jähriger Erfahrung als homöopathisch tätiger Arzt stellte er im Jahr 1873 seine neue Methode in der angesehenen Fachzeitschrift „Allgemeine homöopathische Zeitung“ vor.

Dr. Schüßler und die 12 Zellsalze

Er beschrieb zwölf Mineralsalze, die für den menschlichen Organismus notwendig sind. Ein entsprechender Mangel dieser Substanzen führt auf Zellebene zu Störungen und in der Folge zu Krankheit. Diese Annahme blieb stets Grundlage seiner Methode. Wird das richtige Mineralsalz zugeführt und der bestehende Mangel damit behoben, kann der Organismus demnach gesunden.

Für diesen Ansatz erntete Wilhelm Heinrich Schüßler von seinen homöopathischen Kollegen zunächst harsche Kritik. Diese sahen in seiner Methode der 12 Zellsalze einen Angriff auf die Homöopathie Hahnemanns. Eine Reduzierung auf lediglich zwölf Mittel erschien vielen ärztlichen Kollegen als unseriös.
Dr. Schüßler distanzierte sich daraufhin von seinen homöopathischen Kollegen, nicht jedoch von der Homöopathie selbst, die er bis zu seinem Lebensende schätzte.

Im Jahr 1874 veröffentlichte er eine umfassende Beschreibung seiner Arzneimittellehre mit dem Titel „Eine abgekürzt der Therapie“. Das Hauptwerk Schüßlers ist bis 1898 in 25 Auflagen erschienen und stetig erweitert worden. Eine Abschrift des Werkes ist bis heute erhältlich.

Einfachere Bestimmung des geeigneten Mittels

Der Buchtitel bezieht sich auf die im Vergleich zur Homöopathie einfachere und damit abgekürzte Bestimmung des geeigneten Mittels.

Die Homöopathie beruht auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Die Krankheit wird hier mit dem Mittel behandelt, das beim Gesunden dieselben Symptome verursachen würde. Die Biochemie nach Dr. Schüßler behandelt dagegen den Mineralstoffmangel, der die vorliegenden Symptome verursacht.

In Schüssel aus Hauptwerk werden insgesamt elf Mineralsalze beschrieben. Der Physiologe Gustav von Bunge entdeckte, dass sich Calcium sulfuricum (schwefelsaurer Kalk) nicht in jeder Zelle, sondern nur in der Galle wiederfindet. Obwohl Schüßler mit Nr 12 Calcium sulfuricum D6 Behandlungserfolge beobachtete, entfernte er wenige Jahr vor seinem Tod dieses Mineralsalz wieder aus seinem System und nahm Bezug auf die Erkenntnisse von Prof. Bunge. Erst nach Schüßlers Tod wurde dieses Mittel wieder an Position zwölf eingesetzt.

Weltweiter Erfolg

Durch die einfache Anwendung und die großen Behandlungserfolge setzte sich die Biochemie nach Dr. Schüßler weltweit durch. Über die Jahrzehnte wurden weitere Mineralverbindungen dem System hinzugefügt. Bis heute wurden insgesamt 15 neue Mineralverbindungen als sogenannte Ergänzungsmittel den ursprünglichen zwölf Schüssler Salze hinzugefügt.

Wilhelm Heinrich Schüssler praktizierte in Oldenburg bis zu seinem Tode am 30. März 1898.

 

Ein Beitrag von Benjamin Hartlieb (Osteopath & Heilpraktiker; Pforzheim)

 

Weiterführende Literatur

  1. Peter Emmrich & Benjamin Hartlieb: Die Schüßler Salze: Praktische Anwendung einer modernen Mineralstoff-Therapie; Lüchow, Bielefeld 2021
  2. Peter Emmrich & Gerd Oomen: Dr. med Wilhelm Heinrich Schüßler: Arzt aus Leidenschaft – Die Biografie; Fischer & Gann, Bielefeld 2021

 

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