Eine deutsche Studie hat mithilfe von Haaranalysen den ersten objektiven Beweis dafür erbracht, dass Achtsamkeits- und Meditationstraining den Einfluss langer Stressphasen auf den Körper abmildert.

[jg] Haaranalysen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zeigen, dass Achtsamkeits- und Meditationstraining die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Haar verringert. Die Cortisolkonzentration im Haar zeigt an, wie stark eine Person durch anhaltenden Stress belastet ist. Je länger Stress anhält, desto länger zirkuliert eine erhöhte Cortisolkonzentration im Körper und desto mehr Cortisol sammelt im Haar an.

Dies ist der erste objektive Beweis dafür, dass Achtsamkeits- und Meditationstraining den Einfluss langer Stressphasen auf den Körper abmildert. Frühere Studien hatten den stressreduzierenden Effekt von mentalem Training nur in akuten Stresssituationen oder an einzelnen Tagen gemessen, oder basierten ausschließlich auf Selbstauskünften von Teilnehmenden.

Trainingsmodule mit unterschiedlichem Fokus

An der neunmonatigen Studie des Max-Planck-Instituts haben rund 80 Probandinnen und Probanden teilgenommen. Das Trainingsprogramm bestand aus drei Modulen, die jeweils drei Monate dauerten. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen eingeteilt, welche die Trainingsmodule in unterschiedlicher Reihenfolge absolvierten. Trainiert wurde 30 Minuten täglich an sechs Tagen pro Woche. In den Modulen lag der Fokus entweder auf den Faktoren Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, auf Mitgefühl und Dankbarkeit, oder auf sozio-kognitiven Fertigkeiten, insbesondere der Fähigkeit zur Perspektivübernahme gegenüber eigenen und fremden Gedanken.

Deutlicher Effekt nach sechs Monaten Training

Zu Studienbeginn sowie nachfolgend alle drei Monate wurde jeweils die Cortisolmenge in den ersten drei Zentimetern der Haare analysiert, beginnend an der Kopfhaut. Das Haar wächst im Schnitt monatlich einen Zentimeter. Nach drei Monaten waren zunächst leichte Effekte des mentalen Trainings zu sehen, nach sechs Monaten bereits deutliche Veränderungen: Die Cortisolmenge in den Haaren aller Probanden und Probandinnen war nach sechs Monaten im Schnitt um 25 Prozent gesunken. In den nachfolgenden Monaten der Studie blieb die Konzentration dann auf niedrigem Niveau.

Da die Gruppen die Module in unterschiedlicher Reihenfolge abarbeiteten, scheint der Effekt des mentalen Trainings nicht von den Trainingsinhalten abzuhängen. Vermutlich sind mehrere der untersuchten mentalen Ansätze ähnlich effektiv, um den Umgang mit chronischem Alltagsstress und akut stressigen sozialen Situationen zu verbessern.

Quellen: Informationsdienst Wissenschaft, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

 

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