Die Neuerkrankungsrate pro Jahr liegt bei Männern bei 46 pro 100 000 Einwohner, bei Frauen bei 28. Die bislang bekannten Risikofaktoren können den Unterschied zwischen Männern und Frauen nur zum Teil erklären.

Seit Oktober 2002 ist die Darmspiegelung (Koloskopie) in Deutschland Teil der Darmkrebsfrüherkennung. Versicherte ab 55 Jahren können sie als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Die KolosSal-Studie sollte die Frage klären, wie häufig treten Komplikationen wie Blutungen und Darmperforationen während der Koloskopie bzw. in den darauffolgenden vier Wochen auf. Ausgewertet wurden die Angaben von im Saarland wohnhaften Personen, die zwischen 2010 und 2013 eine Darmspiegelung im Rahmen der Vorsorge im Krebsfrüherkennungsprogramm durchführen ließen.

Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) werteten nun die Daten der KolosSal-Studie aus, um Antworten auf die Frage zu finden: Warum haben Männer ein höheres Darmkrebsrisiko als Frauen?

Risiko- und Schutzfaktoren

Rauchen sowie hoher Konsum von Alkohol bzw. Verzehr von rotem Fleisch und Wurst sind bekannte Risikofaktoren für Darmkrebs. Alles Faktoren, die bei Männern häufiger auftreten. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass weibliche Geschlechtshormone das Darmkrebsrisiko senken. Weitere bekannte bzw. mutmaßliche Risiko- und Schutzfaktoren für Darmkrebs sind: Alter, familiäre Vorgeschichte, Diabetes, frühere Koloskopie, Einnahme von Aspirin und Statinen, Gewicht und körperliche Aktivität, Obst, Gemüse oder Vollkornprodukten sowie bei Frauen die Anwendung von Hormonersatz-Therapien

Ergebnis der Analyse

Das Team um Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) kam zum Ergebnis: Nur etwa die Hälfte des erhöhten Darmkrebsrisikos bei Männern lässt sich durch die bekannten Risikofaktoren erklären. Weitere Faktoren müssen noch identifiziert und bewertet werden. Möglicherweise wirken sich die hormonellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen stärker aus, als bisher vermutet.

„Auf jeden Fall zeigen unsere Ergebnisse erneut, wie wichtig es insbesondere für Männer ist, die Möglichkeiten zur Darmkrebsvorsorge wahrzunehmen, Stuhltests durchzuführen oder sich sogleich für eine Vorsorge-Darmspiegelung zu entscheiden!“, so Hermann Brenner.

Quellen: Bionity.com, Originalstudie von Niedermaier T et al. (in International Journal of Cancer, 2021)

 

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