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05. August 2021

Long-COVID: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Frauen sind vom Long-COVID-Syndrom deutlich häufiger betroffen als Männer, was vermutlich unter anderem auf Autoimmunreaktionen und die psychosoziale Belastung in der Pandemie zurückzuführen ist.

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Viele immunrelevante Gene liegen ausschließlich auf dem X-Chromosom. Diese Gene stehen bei Frauen zweimal zur Verfügung und ermöglichen ein wesentlich vielfältigeres Spektrum an Abwehrmechanismen. Zudem wirken weibliche Sexualhormone wie das Östrogen immunmodulierend. Frauen bilden beispielsweise mehr Immunglobuline und zirkulierende T-Zellen als Männer, so dass ihre virale Infektabwehr aktiver ist. Ein Nachteil ist die damit verbundene, höhere Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen (1). Außerdem treten viele Langzeitbeschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung bei Frauen häufiger auf, so das Ergebnis einer aktuellen britischen Studie (2). Das als Long-COVID bekannte Syndrom kann unabhängig vom Schweregrad der COVID-19-Erkrankung, je nach Untersuchung, 30 bis 80 % der eigentlich Genesenen betreffen. Die Symptome sind vielfältig, wobei Müdigkeit, olfaktorische, gustatorische, pulmonale und neurologische Störungen am häufigsten auftreten und über Monate anhalten können (3). Infektionen gehen bekanntermaßen mit einem starken Verbrauch an Vitamin C einher und Mangelzustände sind keine Seltenheit – dies gilt insbesondere für Erkrankte mit Pneumonien und COVID-19 (4, 5). Daher sollte auch bei Long-COVID-Patienten überprüft werden, ob ein Vitamin-C-mangel vorliegt, der z.B. für die starke Müdigkeit mit verantwortlich sein kann.

Von den Ursachen zur Therapie

Als wahrscheinliche Ursachen kristallisieren sich zurzeit Autoimmunreaktionen, die psychosoziale Belastung und neuroinflammatorische Prozesse heraus. Insbesondere die ersten beiden Ursachen bieten einen Erklärungsansatz dafür, warum Frauen häufiger von Long-COVID betroffen sind. Frauen neigen stärker zur Bildung von Auto-Antikörpern, was möglicherweise durch den von SARS-CoV-2 verursachten oxidativen Stress begünstigt wird (6). Diese Antikörper können bei Genesenen noch Monate nach der Infektion nachgewiesen werden (7).

Hinzu kommt, dass die psychosoziale Belastung bei Frauen seit Beginn der Pandemie weitaus höher ist als bei Männern (8). Angst und das Gefühl eine Situation nicht kontrollieren zu können schwächen bekanntermaßen das Immunsystem (9). Parallelen zu den Symptomen von Long-COVID gibt es beim Chronischen Fatigue-Syndrom, das durch Stress ausgelöst werden kann, und den Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung (2, 10).

Für die dritte Ursache, die Entzündungsprozesse im Gehirn, ist nicht das Virus selbst verantwortlich, sondern der durch oxidativen Stress mitverursachten Zytokin-Sturm und die Mikrothrombosen, die die Mikroglia im Gehirn aktivieren und eine anhaltende Neuroinflammation auslösen. In der Folge wird das fein abgestimmte Gefüge an Neurotransmittern massiv gestört und geht mit einem Mangel an Botenstoffen, wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, einher (11).

Oxidativer Stress führt zu Vitamin-C-Mangel

Als Ursache dieser Pathomechanismen spielt oxidativer Stress stets eine entscheidende Rolle (2, 6, 10, 11). Der Körper benötigt zum Ausgleich des oxidativen Stresses hohe Konzentrationen an wirksamen physiologischen Antioxidantien, zu denen auch Vitamin C gehört. Dadurch können Mangelzustände entstehen, die über die Ernährung nicht behoben werden können, so dass eine therapeutische Anwendung von Vitamin-C-Infusionen unter Umgehung der Darmbarriere in Betracht gezogen werden sollte (12,13).

Das therapeutische Potential von Vitamin C haben Wissenschaftler auf der ganzen Welt erkannt, was zu einem stetigen Strom neuer Erkenntnisse führt. Inzwischen gibt es eine Studienevidenz, dass hochdosiertes intravenöses Vitamin C Müdigkeit, kognitive Störungen und Schmerzen bei Erkrankungen, die mit oxidativem Stress einhergehen, reduzieren kann. Im Vordergrund stehen dabei sowohl die antioxidativen als auch die entzündungshemmenden Eigenschaften. Es ist sehr plausibel, dass diese Effekte auch bei der Behandlung von Long-COVID-Betroffenen erzielt werden können. Hier wäre die Kombination mit wichtigen B-Vitaminen wie Folsäure, B6 und B12 sinnvoll (14).

Literatur

  1. Al-Kuraishy, H.M., et al., The Looming Effects of Estrogen in Covid-19: A Rocky Rollout. Front Nutr, 2021. 8: p. 649128
  2. Sykes, D.L., et al., Post-COVID-19 Symptom Burden: What is Long-COVID and How Should We Manage It? Lung, 2021. 199(2): p. 113-119
  3. Lopez-Leon, S., et al., More Than 50 Long-Term Effects of COVID-19: A Systematic Review and Meta-Analysis. Res Sq, 2021
  4. Carr, A. C., E. Spencer, L. Dixon and S. T. Chambers (2020). „Patients with Community Acquired Pneumonia Exhibit Depleted Vitamin C Status and Elevated Oxidative Stress.“ Nutrients 12(5)
  5. Chiscano-Camon, L., J. C. Ruiz-Rodriguez, A. Ruiz-Sanmartin, O. Roca and R. Ferrer (2020). „Vitamin C levels in patients with SARS-CoV-2-associated acute respiratory distress syndrome.“ Crit Care 24(1): 522
  6. Tung, M.L., et al., Anti-phospholipid syndrome and COVID-19 thrombosis: connecting the dots. Rheumatol Adv Pract, 2021. 5(1): p. rkaa081
  7. Bhadelia, N., et al., Distinct Autoimmune Antibody Signatures Between Hospitalized Acute COVID-19 Patients, SARS-CoV-2 Convalescent Individuals, and Unexposed Pre-Pandemic Controls. medRxiv, 2021: p. 2021.01.21.21249176
  8. DeQuervain D, Aerni A, Amini E, et al.: Swiss Corona Stress Study, 1.-3. Erhebung, https://www.coronastress.ch/ (Stand 17.12.2020)
  9. Cohen, S., Psychosocial Vulnerabilities to Upper Respiratory Infectious Illness: Implications for Susceptibility to Coronavirus Disease 2019 (COVID-19). Perspect Psychol Sci, 2021. 16(1): p. 161-174
  10. Bleijenberg, G.v.d.M., J. W. M. , Chapter 442: Chronic Fatigue Syndrome, in Harrison’s Principles of Internal Medicine, 20e. 2018, McGraw-Hill Education: USA
  11. Boldrini, M., P.D. Canoll, and R.S. Klein, How COVID-19 Affects the Brain. JAMA Psychiatry, 2021
  12. Schencking, M., C. Vollbracht, G. Weiss, J. Lebert, A. Biller, B. Goyvaerts and K. Kraft (2012). „Intravenous vitamin C in the treatment of shingles: results of a multicenter prospective cohort study.“ Med Sci Monit 18(4): CR215-224
  13. Carr, A. C., M. C. Vissers and J. S. Cook (2014). „The effect of intravenous vitamin C on cancer- and chemotherapy-related fatigue and quality of life.“ Front Oncol 4: 283
  14. Vollbracht, C., Long-COVID-Syndrom: Frauen sind häufiger betroffen!, CoMed 2021

Quelle: Pressemitteilung Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

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