Im Erkrankungsverlauf verschlechtert sich bei vielen Typ-2-Diabetikern die glykämische Kontrolle. Italienische Forscher haben nun erstmals einzelne pathophysiologischen Prozesse ausfindig gemacht, die hierzu beitragen und den Erkrankungsverlauf beschleunigen.

[jg] In einer Studie wurde die Rolle des HbA1c-Werts, der Betazellfunktion, der Insulinsensitivität sowie weiterer Parameter bei der Verschlechterung der Blutzuckerkontrolle von Typ-2-Diabetikern untersucht. Die Forscher beobachteten, wie sich diese Parameter in einer frühen Phase der Erkrankung im Verlauf von drei Jahren veränderten und welche Auswirkungen dies auf die glykämische Kontrolle hatte.

Hierfür wurden die Daten von 732 Teilnehmern der multizentrischen prospektiven IMI-DIRECT-Studie ausgewertet. Die Probanden der Studienkohorte waren durchschnittlich 62 Jahre alt und hatten seit sechs bis 24 Monaten einen Typ-2-Diabetes, der mit Lebensstilmaßnahmen mit oder ohne begleitende Metformintherapie behandelt wurde. Etwa ein Drittel nahm Metformin ein. Der HbA1c-Wert lag im Schnitt bei 6,41 % und der Beobachtungszeitraum betrug drei Jahre.

Zahlreiche Parameter gemessen und Gewebefettgehalt bestimmt

In dieser Zeit wurden regelmäßig umfangreiche Tests durchgeführt, bei denen unter anderem die HbA1c-Werte, Blutfettwerte, Leberenzyme, Betazellfunktion (Glukosesensitivität) und Insulin-Clearance gemessen wurden, sowie Glukagon, Proinsulin und GLP1. Mithilfe von Magnetresonanztomographie wurde zu Studienbeginn zudem der regionale Gewebefettgehalt bestimmt. Die Teilnehmer wurden außerdem regelmäßig zu ihrer körperlichen Aktivität und ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.

Über den dreijährigen Studienzeitraum wurde der Zusammenhang zwischen den longitudinalen metabolischen Veränderungen und der HbA1c-Verschlechterung dokumentiert und analysiert, wobei Veränderungen des BMI sowie der Diabetesmedikation berücksichtigt wurden.

Fünf Parameter verschlechtern Blutzuckerkontrolle

Dabei zeigte sich, dass Raucherstatus, Familienanamnese, Ernährung, körperliche Aktivität, Pankreasfett, GLP1-Wert, Glukagon- und 60-Minuten-Proinsulinspiegel sowie Leberenzyme keinen unabhängigen Effekt auf die Verschlechterung der Blutzuckerkontrolle hatten.

Einen signifikanten und unabhängigen Effekt auf die HbA1c-Verschlechterung hatten folgende Parameter:

  • nachlassende Insulinsensitivität
  • nachlassende Betazellfunktion
  • steigende Insulin-Clearance
  • hoher viszeraler oder hepatischer Fettanteil
  • Verschlechterung des Lipidprofils (niedriger HDL-Wert, rascher Anstieg der Triglyzeride)

Laut den Forschern könnte der Krankheitsprogress vermutlich gestoppt werden, wenn es gelänge, mindestens einen der drei Parameter Insulinsensitivität, Betazellfunktion und Insulinclearance zu stabilisieren.

Quelle: Medical Tribune

 

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