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19. Mai 2021

Vier potenzielle Subtypen von Alzheimer identifiziert

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Lightspring / shutterstock.com

Bei der Alzheimer-Demenz lassen sich je nach Verteilung der krankmachenden Tau-Proteine im Gehirn vier Subtypen unterscheiden. Diese Subtypen zeigen jeweils auch andere Symptome und Verläufe.

Weder die Ursachen noch die neurophysiologischen Grundlagen der Alzheimer-Demenz sind vollständig geklärt. Jedoch spielen wohl Beta-Amyloide und Tau-Proteine eine zentrale Rolle in der Pathogenese. Aktuellen Hypothesen gehen davon aus, dass diese entweder einzeln oder gemeinsam die kasualen Verursacher der Krankheit und ihres Fortschreitens sind. Bei der Alzheimer-Demenz kommt es zu extrazellulären Beta-Amyloid-Ablagerungen (Plaques) und intrazellulären Tau-Proteinanreicherungen (Neurofibrillenbündel). Zudem mehren sich Hinweise darauf, dass die Anreicherung der Tau-Proteine in den Hirnzellen deren Abbau beschleunigt.

Vier eindeutige Verteilungsmuster

Kanadische Forscher haben diese Tau-Proteine in einer Studie näher untersucht und dabei eine überraschende und potenziell bedeutsame Entdeckung gemacht: Die Verteilung der Tau-Proteine folgt klar voneinander unterscheidbaren Mustern. Insgesamt konnten die Forscher vier eindeutige Muster feststellen, die auch mit unterschiedlichen Symptomen und Prognosen der Alzheimer-Demenz einhergingen. Basierend auf dieser Erkenntnis gibt es bei der Alzheimer-Demenz offenbar vier Subtypen und die Erkrankung ist nicht so heterogen, wie bisher angenommen. Wenn diese Subtypen früh erkannt werden, könnte dies eine bessere Diagnose und gezieltere Therapie ermöglichen.

Unterschiedliche Gehirnregionen betroffen

Für die Studie wurde die Verteilung der Tau-Proteinfäden bei 1 612 Testpersonen aus vier Ländern untersucht. Dafür wurden ihre Gehirne mithilfe einer speziellen Variante der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) gescannt. Ein lernfähiger Algorithmus suchte die Aufnahmen nach auffälligen Mustern der Proteinverteilung ab und fand vier eindeutig voneinander abgrenzbare Muster, bei denen verschiedene Regionen des Gehirns von den Ablagerungen betroffen sind.

Symptome und Prognosen der vier Subtypen

Bei ergänzenden Untersuchungen der Patienten über zwei Jahre hinweg zeigte sich, dass sich die vier Verteilungsmuster deutlich in den Symptomen und Prognosen der Betroffenen widerspiegeln:

  • Bei Subtyp 1 breiten sich die Tau-Fibrillen innerhalb des Schläfenlappens aus. Dies führt vor allem zu ausgeprägten Gedächtnisproblemen, während andere Hirnfunktionen deutlich weniger betroffen sind. 33 Prozent der untersuchten Alzheimer-Patienten gehörten diesem Subtyp an und die meisten von ihnen trugen das Alzheimer-Risikogen APOE4.
  • Bei Subtyp 2 reichern sich die Tau-Proteine im gesamten Cortex an, mit einer leichten Häufung in der rechten Hirnhälfte. Dies führt vor allem zu Problemen bei exekutiven Funktionen, wie Handlungen zu planen und auszuführen, jedoch weniger zu Gedächtnisproblemen. Diesem Subtyp gehörten 18 Prozent der Untersuchten Probanden an, sie waren im Schnitt jünger und trugen seltener das APOE4-Gen.
  • Bei Subtyp 3 reichern sich die Tau-Fibrillen vor allem im visuellen Cortex an, was die Verarbeitung optischer und räumlicher Eindrücke beeinträchtigt. Die Betroffenen haben daher Probleme, sich zu orientieren und Formen, Konturen, Entfernungen oder Bewegungen zu erkennen und zu unterscheiden. Dieser Subtyp betraf rund 30 Prozent der Probanden und vorwiegend ältere.
  • Bei Subtyp 4 sind die Tau-Fibrillen im gesamten Gehirn verteilt, reichern sich aber überwiegend in der linken Hirnhälfte und im linken Schläfenlappen an. Hier ist der allgemeine geistige Abbau stark ausgeprägt und die Betroffenen entwickeln oft Sprachprobleme. An Gedächtnisproblemen leiden sie hingegen weniger stark. Diesem Subtyp gehörten 19 Prozent der Probanden an.

Die Prognose und das Fortschreiten der Krankheit unterschieden sich bei den vier Subtypen ebenfalls:

  • Subtyp 3 wies einen signifikant langsameren geistigen Abbau als die anderen drei auf.
  • Die Subtypen 1 und 2 zeigten einen mittleren Verlauf.
  • Bei Subtyp 4 schritt der geistige Abbau besonders schnell voran.

Fazit der Forscher

Die Subtypen könnten dazu beitragen, typische Ausfälle und Symptome besser zu erkennen, den Verlauf der Demenz vorherzusagen und so auch die Therapie zu optimieren. Es ist laut den Forschern auch denkbar, dass die vier Subtypen unterschiedlich auf verschiedene Behandlungen ansprechen. Weitere Studien müssen diese Ergebnisse verifizieren. [jg]

Quelle: Scinexx

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