Bei Frauen erhöht sich das kardiovaskuläre Risiko offenbar bereits bei deutlich niedrigeren systolischen Blutdruckwerten als bei Männern. Sollte dieses Studienergebnis bestätigt werden, müssten die Zielwerte künftig geschlechtsspezifisch definiert werden.

Bei Erwachsenen gilt bisher ein systolischer Blutdruck unter 130 mmHg als Limit für den Normwert. Frauen haben jedoch allgemein einen etwas niedrigeren Blutdruck als Männer, weshalb dieser Wert für sie wohl zu hoch angesetzt ist. Das legt das Ergebnis einer chinesischen Metaanalyse nahe, die den geschlechtsspezifischen Unterschied des systolischen Blutdrucks auf die kardiovaskulären Risiken untersuchte.

Für die Analyse wurden die Daten von über 27 500 Teilnehmern aus vier internationalen Kohortenstudien ausgewertet. Davon entwickelten 7 424 Studienteilnehmer innerhalb von 28 Jahren mindestens eine kardiovaskuläre Erkrankung, wie einen Myokardinfarkt, eine Herzinsuffizienz und/oder einen Schlaganfall. Die Forscher untersuchten, wie sich das Erkrankungsrisiko im Zusammenhang mit einem Anstieg des systolischen Blutdrucks (SBP) veränderte. Dabei wurde jeder Anstieg um jeweils 10 mmHg im Bereich zwischen < 100 mmHg und > 160 mmHg analysiert.

Bei Frauen ist das Risiko schon über 100 mmHg deutlich erhöht

Bei Frauen war das kardiovaskuläre Risiko bereits ab einem systolischen Blutdruck von 100–109 mmHg deutlich erhöht. Schon bei diesem geringen Anstieg des SBP lag ihr Risiko um 25 Prozent über jenem von Studienteilnehmerinnen mit einem SBP von < 100 mmHg.

Eine Risikoerhöhung in diesem Bereich wurde bei Männern hingegen erst ab einem SBP von 130–139 mmHg festgestellt: Dann stieg ihr Risiko um 26 Prozent im Vergleich zu Teilnehmern mit einem SBP von < 100 mmHg.

Unterschiede auch bei Betrachtung einzelner kardiovaskulären Erkrankungen

Bei der Betrachtung der einzelnen kardiovaskulären Erkrankungen und ihrem Zusammenhang mit einer Erhöhung des SBP zeigte sich dieser Geschlechtsunterschied ebenfalls. So hatten Frauen bei einem SBP von 110–119 mmHg bereits ein um 64 Prozent höheres Risiko für einen Myokardinfarkt als Frauen mit einem SBP unter 100 mmHg – eine vergleichbare Risikoerhöhung um 62 Prozent zeigte sich bei Männern erst ab einem SBP ≥ 160 mmHg.

Das Herzinsuffizienzrisiko stieg bei Frauen bereits bei einem SBP von 110–119 mmHg um 42 Prozent gegenüber einem SBP von < 100 mmHg. Eine ähnliche Risikosteigerung (+ 40 Prozent) wurde bei Männern erst bei SBP-Werten von 120–129 mmHg erreicht.

Das Schlaganfallrisiko erhöhte sich bei Frauen mit einem SBP von 120–129 mmHg um 53 Prozent; bei Männern war eine Erhöhung um 50 Prozent erst ab einem SBP von 140–149 mmHg zu verzeichnen.

Fazit

Den Studienergebnissen zufolge liegt der optimale physiologische Blutdruckbereich bei Frauen niedriger als bei Männern. Wenn prospektive Studien dies bestätigen, sind neu definierte, geschlechtsspezifische Blutdruckziele zur Senkung des kardiovaskulären Risikos nötig. [jg]

Quelle: ÄrzteZeitung

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