In Regionen mit höherer Sonneneinstrahlung sind die Vitamin-D-Spiegel der Bevölkerung höher. Zugleich sind dort sowohl das Risiko, an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken, als auch die Beschwerden von MS-Patienten geringer.

Kleinere Studien deuteten bereits darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Sonnenlicht bzw. UV-Licht und dem Risiko besteht, an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken. Demnach haben Personen, die in einer sonnigen Region leben, ein geringeres Erkrankungsrisiko als Personen aus weniger sonnigen Regionen (wir berichteten). Eine große Studie bestätigt diese Erkenntnis nun.

Unterschiede sogar zwischen Nord- und Süddeutschland erkennbar

Wissenschaftler des Kompetenznetzes MS (KKNMS) und des Sonderforschungsbereiches MS der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnten zeigen, dass UV-Licht sowohl das MS-Risiko als auch den Erkrankungsverlauf beeinflusst. Für die Studie wurden die Daten von fast 2 000 MS-Patienten ausgewertet und zahlreiche Einflussfaktoren wie Geschlecht, Wohnort und Lebensstil berücksichtigt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die MS-Beschwerden im Mittel abnehmen, wenn die Sonneneinstrahlung und damit zusammenhängend der Vitamin-D-Spiegel zunehmen.

Dabei zeigten sich sogar innerhalb Deutschlands mit seiner Nord-Süd-Ausdehnung von knapp 1 000 Kilometern deutliche Unterschiede. Von Nord- nach Süddeutschland stiegen die Sonneneinstrahlung und der saisonbereinigte Vitamin-D-Spiegel an, während die aktiven Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark sowie der Beeinträchtigungsgrad der MS-Patienten von Norden nach Süden hin abnahmen.

Nach Interferon-beta-Behandlung kein Unterschied mehr

Dieser Zusammenhang von MS-Beschwerden und Sonnenlicht zeigte sich jedoch nicht, wenn die Patienten mit Interferon-beta behandelt wurden. Die Forscher führen diese Beobachtung darauf zurück, dass die Effekte von UV-Licht ebenfalls über Interferon vermittelt werden bzw. den Interferon-Signalweg anregen. Dieser Signalweg könne wohl nur einmal angeregt werden – entweder von UV-Licht oder von Interferon-beta. Diese Erkenntnis sei auch dahingehend interessant, dass zwar bekannt war, dass MS gut auf die Behandlung mit Interferon-beta anspricht, jedoch nicht ganz klar war, weshalb. Laut den Forschern ist eine mögliche Erklärung dafür, dass Interferon-beta die Vitamin-D-Produktion verändert und positiv beeinflusst. [jg]

Quelle: Ärzteblatt

Originalstudie: Ostkamp P, et al.: Sunlight exposure exerts immunomodulatory effects to reduce multiple sclerosis severity. PNAS January 5, 2021 118 (1) e2018457118. DOI: 10.1073/pnas.2018457118

 

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