Zur Prävention der Zöliakie gibt es kein allgemein anerkanntes Konzept. Ob der frühe Kontakt mit glutenhaltigen Lebensmitteln einer Zöliakie vorbeugen kann, ist bisher ebenfalls umstritten. Eine Studie liefert nun neue Erkenntnisse.

Es gab bereits verschiedene randomisierte Studien, in denen Gluten in die Ernährung von Säuglingen eingeführt wurde, um den präventiven Effekt zu prüfen. Allerdings arbeiteten diese Studien mit sehr unterschiedlichen Dosierungen und führten Gluten zu verschiedenen Zeitpunkten in die Ernährung ein, so dass die Ergebnisse weder eindeutig noch vergleichbar waren.

Glutenexposition ab dem vierten Monat

Eine britische Studie untersuchte nun gezielt, ob die frühe Gabe hoher Glutenmengen bei Säuglingen ab vier Monaten die Zöliakieprävalenz senken kann. Im Rahmen der EAT-Studie (Enquiring About Tolerance) wurden Mütter randomisiert entweder angewiesen, ihre Kinder bis zum Alter von rund sechs Monaten ausschließlich zu stillen und in der Ernährung ihrer Babys allergieauslösende Lebensmittel zu meiden (Standard-Exposition). Oder die Mütter sollten ihren Säuglingen ab dem vierten Monat zusätzlich zur Muttermilch verschiedene Lebensmittel anzubieten, die häufig Allergien auslösen (frühe Exposition). Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die Daten zur Glutenexposition.

Insgesamt wurden die Daten von 1.004 Kindern ausgewertet. Bei den Kindern mit Standard-Exposition lag die durchschnittlich konsumierte Glutenmenge im Alter von vier bis sechs Monaten bei 0,49 g/Woche. Bei den Kindern mit früher Exposition lag sie hingegen bei 2,66 g/Woche. Als die Kinder drei Jahre alt waren, wurden die Anti-Transglutaminase-Typ-2-Antikörper in ihrem Blut bestimmt, die einen ersten wichtigen Hinweis auf Zöliakie liefern. Lag der Wert über 20 IU/l, wurden die Kinder einen Gastroenterologen für die weitere Diagnostik überwiesen.

Keine Unverträglichkeit bei früher Exposition

Von den Kindern mit früher Glutenexposition entwickelte keines eine Unverträglichkeit. Hingegen wurde bei 1,4 Prozent der Kinder mit Standard-Exposition im Alter von drei Jahren eine Zöliakie diagnostiziert.

Die Studienautoren werten dies als Hinweis darauf, dass eine frühe Zufuhr größerer Mengen an Gluten vor einer Zöliakie schützt. Es seien jedoch weitere randomisiert-kontrollierte Studien nötig, um diese Theorie zu verifizieren. [jg]

Quelle: Medical Tribune

Originalstudie: Logan K et al. JAMA Pediatr 2020; e202893; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.2893

 

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Zink und Vitamin C bei Corona-Infektion wirkungslos?
Kohortenstudie zu Triggerfaktoren bei empfindlicher Haut
Diabetes-Distress erhöht Langzeitblutzuckerwert