Viele behaupten, bei Vollmond oder kurz vor dem Vollmond schlechter zu schlafen. In der Wissenschaft war dieser Einfluss des Mondes auf Schlafqualität und -dauer umstritten und wurde vor allem dem subjektiven Empfinden zugeschrieben. Bis jetzt: Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass der Mondzyklus den Schlaf tatsächlich beeinflusst.

Umstritten war der Einfluss des Mondes auf den Schlaf vor allem aufgrund unserer modernen Lebensweise mit Kunstlicht. Bei Naturvölkern konnte ein Effekt der helleren Nächte rund um den Vollmond auf den Schlaf-Wach-Rhythmus beobachtet werden, doch bezweifelten Wissenschaftler, dass dieser Effekt auch in lichtdurchfluteten Dörfern und Städten zustande kommen könne. Eine US-amerikanische Studie konnte nun jedoch zeigen, dass die Mondphasen selbst in der Großstadt einen Einfluss auf unseren Schlaf haben: In den Tagen vor dem Vollmond schlafen Menschen später ein und insgesamt weniger als in anderen Phasen des Mondzyklus.

Einfluss bei Naturvolk und Großstädtern feststellbar

Für die Studie wurde mithilfe von Messarmbändern das Schlafverhalten von vier Teilnehmergruppen über zwei Mondzyklen protokolliert. Drei der Gruppen lebten in Argentinien: entweder völlig ohne Strom auf dem Land (Naturvolk), mit begrenztem Zugang zu Strom auf dem Land oder in einer Stadt. Die vierte Gruppe lebte in der US-Großstadt Seattle.

Obwohl es zwischen den Gruppen große Unterschiede hinsichtlich ihrer Lebensweise und dem Einfluss von Kunstlicht in ihrem Alltag gab, konnte bei allen vier Gruppen die gleiche periodische Schwankung im Schlafverhalten festgestellt werden. In den letzten drei bis fünf Nächten vor dem Vollmond schliefen die Teilnehmer später ein und weniger als sonst. Die Einschlafzeit verzögerte sich um 30 bis 80 Minuten und die Schlafdauer verkürzte sich um 20 bis 90 Minuten. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den auf dem Land und den in der Stadt lebenden Gruppen.

Evolutionärer Vorteil oder Gezeiten-Effekt?

Die genauen Hintergründe dieses „Mond-Effekts“ sind noch unklar, die Forscher vermuten, dass eine evolutionäre Anpassung dahintersteckt, die bis heute unseren Biorhythmus und unser Schlafverhalten beeinflusst. Das hellere abendliche Licht des Mondes könnte den frühen Menschen eine längere Aktivität ermöglicht haben, beispielsweise bei der Jagd. Der daran angepasste verkürzte und verzögerte Schlaf wäre also ein evolutionärer Vorteil gewesen. Da der Mond in den Nächten kurz vor Vollmond früher am abendlichen Himmel steht als in den nachfolgenden Mondphasen, könnte das eine passende Erklärung sein. Möglicherweise spiele zusätzlich auch der Schwerkrafteinfluss bzw. Gezeiten-Effekt des Mondes eine Rolle, der bei Vollmond am stärksten ist. Das seien jedoch nur Theorien, so die Forscher. Wie genau der Mond die innere Uhr beeinflusst, müssen weitere Studien klären. [jg]

Quelle: Scinexx

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