Hypnose kann Menschen ein starkes Gefühl von Sicherheit vermitteln, auch über die tatsächliche Hypnosesituation hinaus. Diesen Effekt haben sich Psychologen der Universität Jena zunutze gemacht und im Rahmen einer Studie das Wohlbefinden von Patienten auf der Intensivstation durch hypnotische Suggestionen verbessert.

Bei schweren Erkrankungen leiden die Betroffenen nicht nur unter den physischen Symptomen der Krankheit, sondern häufig auch unter Angst und Stress. Das gilt umso mehr, wenn die Betroffenen intensivmedizinische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Intensivpatienten empfinden oft Kontrollverlust, Todesangst und sogar Depressivität. Die ungewohnte, sterile Umgebung verursacht zusätzlichen Stress und nicht selten kommt es zu psychischen Folgeschäden bei Intensivpatienten. Diesen gilt es bereits während der Behandlung vorzubeugen, zum Beispiel mit Hypnose. Da Menschen in Extremsituationen besonders suggestibel, d. h. offen für Hypnose sind, lag die Vermutung nahe, dass gerade Intensivpatienten gut auf diese Methode ansprechen, weil sie sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinden. Im Rahmen einer Studie konnte diese These belegt werden. Psychologen der Universität Jena haben gezeigt, dass hypnotische Suggestionen das Wohlbefinden von Patienten signifikant verbessern sowie physiologische Maße von Angst und Stress reduzieren können.

Studie mit nicht-invasiv beatmeten Intensivpatienten

In der Studie konzentrierten sich die Psychologen auf Intensivpatienten, die nicht-invasiv beatmet werden mussten. Der ungewohnte Vorgang und das Druckgefühl der Atemmaske werden von Patienten häufig als bedrohlich, beängstigend und unangenehm wahrgenommen. Daher löst die Beatmung mit Atemmaske oft besonderen Stress aus, der für die Studie unter anderem anhand von Werten wie Atemfrequenz und Herzrate gemessen wurde. Bereits durch eine einmalige 15-minütige hypnotische Suggestionen während der Beatmung konnte der Stress der Patienten signifikant reduziert werden. Werte wie Atemfrequenz und Herzrate normalisierten sich und die Patienten gaben selbst an, dass sich ihr Wohlbefinden verbessert habe.

Bei ihrer Intervention bezogen die Psychologen das besondere Umfeld der Intensivstation ein und deuteten z. B. störende Reize positiv um. Dadurch wurden piepende Monitore nicht mehr als angsteinflößend oder störend wahrgenommen, sondern als Zeichen dafür, dass sich gut um die Patienten gekümmert wird und alles für ihre schnelle Genesung getan wird. Während der Hypnose wurden vor allem konkret die Beatmungsmaßnahmen angesprochen und ihr positiver Nutzen betont. Das Druckgefühl der Atemmaske wurde mit einem Wohlfühl-Ort verknüpft, an dem sich die Patienten sicher und geborgen fühlen. Durch diese sogenannte posthypnotische Suggestion breitete sich bei den Patienten auch im nicht-hypnotisierten Zustand ein ähnliches Sicherheitsgefühl aus, sobald sie die Atemmaske erneut aufgesetzt bekamen.

Hypnotische Suggestion funktioniert auch „vom Band“ vorgespielt

Die hypnotische Suggestion funktioniert sogar, wenn sie nicht live von einem Therapeuten vorgelesen wird, sondern den Patienten als mp3 über einen Kopfhörer vorgespielt wird. Mit dieser Methode haben ungarische Forscher bereits positive Erfahrungen gemacht: Sie konnten so die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation und der künstlichen Beatmung verkürzen. Der Vorteil der Hypnose „vom Band“: Das medizinische Personal auf einer Intensivstation kann sie ohne Kontakt zu einem Hypnotherapeuten verwenden, um den Patienten ein stärkeres Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Die Jenaer Forscher haben zu diesem Zweck einen Text für die hypnotische Suggestion eingelesen und als mp3-Datei auf der Website der Universität Jena zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. Hier geht es zur Audiodatei. [jg]

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

 

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