Die Vorstellung, dass (positive) soziale Interaktion ein menschliches Grundbedürfnis ist, ist womöglich gar nicht so weit hergeholt: Beim Verlangen nach sozialer Interaktion wird im Gehirn die gleiche Gehirnregion aktiviert, wie beim Verlangen nach Nahrung.

Forscher des Department of Brain and Cognitive Sciences am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben festgestellt: Sowohl das Verlangen nach Essen als auch das Verlangen nach sozialer Interaktion aktivieren die Substantia nigra im Mittelhirn. Mittels funktioneller Magnetresonanztomografie wurde die Gehirnaktivität von 40 Probanden untersucht. Zuvor hatten die Probanden 10 Stunden gefastet, beziehungsweise ihnen wurde 10 Stunden lang sozialer Kontakt vorenthalten. Während der Magnetresonanztomografie wurden ihnen Bilder von Essen bzw. Geselligkeit gezeigt. Dabei zeigte die gleiche Hirnregion eine selektive Aktivierung auf Nahrungsmittelreize nach dem Fasten wie auch auf soziale Reize nach der Isolation. Diese Beobachtung korrelierte mit dem selbstberichteten Verlangen der Teilnehmer nach Nahrung bzw. sozialer Interaktion. Bilder von Blumen, die den Probanden als Kontrollbilder gezeigt wurden, aktivierten die Substantia nigra hingegen nicht. Das spricht dafür, dass sich einsame Personen ebenso nach sozialen Interaktionen sehnen können, wie sich eine hungrige Person nach Nahrung sehnt. [jg]

Quelle: Ärzteblatt

Originalstudie: Tomova L, Wang KL, Thompson T et al.: Acute social isolation evokes midbrain craving responses similar to hunger. Nat Neurosci 23, 1597–1605 (2020). Doi: 10.1038/s41593-020-00742-z

 

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