Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) haben einen Algorithmus entwickelt, der auf der Basis von Lebensstilfaktoren das individuelle Darmkrebsrisiko bestimmen kann.

Aktuell wird das Risiko dafür, Darmkrebs zu entwickeln, nahezu ausschließlich am Faktor Alter festgemacht. Entsprechend werden auch Darmkrebs-Screenings zur Vorsorge hauptsächlich ab einem bestimmten Alter angeordnet und durchgeführt. Zwar ist das Alter tatsächlich ein wichtiger Faktor, da sich das Darmkrebsrisiko nach dem 50. Lebensjahr deutlich erhöht. Doch Lebensstilfaktoren beeinflussen das Risiko ebenfalls entscheidend und sollten daher stärker berücksichtigt werden.

Um dies künftig zu ermöglichen, haben Forscher des BIPS einen Algorithmus entwickelt, der als Online-Anwendung die Bewertung des individuellen Risikos von Patienten erleichtern soll. Anhand von Daten wie Alter, Taillenumfang, Körpergröße, Ernährungs- und Lebensstilfaktoren kann das Risiko ermittelt werden, in den kommenden zehn Jahren an Darmkrebs zu erkranken.

Rechtzeitig gegensteuern und Risiko senken

Solch eine Risikobewertung kann helfen, frühzeitig gefährdete Patienten zu identifizieren. Das kann wiederum genutzt werden, um rechtzeitig gegenzusteuern und Patienten zu Lebensstiländerungen zu motivieren, die ihr individuelles Risiko senken können. Zu diesen Lebensstilfaktoren gehören Alkohol- und Nikotinkonsum, das Ausmaß körperlicher Aktivität, der Verzehr von Gemüse, Milchprodukten, verarbeitetem Fleisch sowie der Konsum von Zucker und Süßwaren.

LiFeCRC-Score

Ihr Risikobewertungstool, den sogenannten LiFeCRC-Score, sowie dessen Grundlagen haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift BMC Medicine vorgestellt (1). Das Modell basiert auf den Daten der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition), für die zwischen 1992 und 2000 Gesundheitsdaten von insgesamt 255 482 Teilnehmern gesammelt wurden. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Erhebung nicht an Krebs erkrankt. Sie wurden jeweils bis zu 15 Jahre lang nachbeobachtet. Während des Beobachtungszeitraums traten 3 645 Fälle von Darmkrebs auf. Um das Modell zu validieren, wurden weitere Daten von 74 403 Teilnehmern genutzt; in dieser Validierungsstichprobe traten 981 Darmkrebsfälle auf. Die Übereinstimmung zwischen vorhergesagtem und beobachtetem Risiko durch den Algorithmus war signifikant. [jg]

 

Literatur:

  1. Aleksandrova K, Reichmann R, Kaaks R et al.: Development and validation of a lifestyle-based model for colorectal cancer risk prediction: the LiFeCRC score. BMC Med 19, 1 (2021). doi: 10.1186/s12916-020-01826-0

Quelle: Ärzteblatt

 

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