Bewegung steigert das körperliche Wohlbefinden und ist förderlich für die geistige Gesundheit. Diese Effekte sind vor allem für sportliche Aktivität untersucht und belegt worden, doch wie sieht es mit Alltagsaktivitäten aus? Eine bislang wenig untersuchte, aber hochaktuelle Fragestellung, da Fitnessstudios, Sporthallen, -vereine und Co. aufgrund des aktuellen Lockdowns nicht für sportliche Aktivität genutzt werden können.

Ein deutsches Forscherteam hat sich der Frage gewidmet, wie sich alltägliche Bewegungen auf physisches und psychisches Wohlbefinden auswirken. Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen, Spazierengehen oder zur ÖPNV-Haltestelle laufen machen den größten Teil unserer täglichen Bewegung aus – im Winter und in Zeiten des Lockdowns gilt das mehr denn je. An der Studie beteiligt waren das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim und das Geoinformatische Institut der Universität Heidelberg. Die Studienergebnisse zeigen, dass auch Alltagsaktivitäten einen deutlichen Nutzen für körperliches und geistiges Wohlbefinden haben – vor allem bei Menschen, die anfällig für psychiatrische Erkrankungen sind.

Alltagsaktivität macht wacher und energiegeladener

Erst die Kombination verschiedener neuer Forschungsmethoden im Alltag und im Labor ermöglichte die Untersuchung. So wurden erstmals Alltagserhebungsverfahren (Ambulante Assessments) mit Bewegungssensoren und Smartphone-Abfragen zum Wohlbefinden kombiniert. Sobald sich die Studienteilnehmer bewegten, wurden diese anhand von Geolokalisationsdaten ausgelöst. Über sieben Tage hinweg wurde so der Einfluss der alltäglichen Aktivitäten auf Wachheit und Energiegeladenheit der Studienteilnehmer gemessen, die wichtige Komponenten des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit darstellen. Die Probanden fühlten sich nach Alltagsaktivitäten durchweg wacher und energiegeladener.

Der verantwortliche Hirnteil wurde identifiziert

Bei einem Teil der Probanden wurden die Analysedaten mit einer Magnetresonanztomografie kombiniert, die das Volumen der grauen Hirnsubstanz vermaß. Dadurch konnten die Forscher herausfinden, welche Areale im Gehirn für diese Alltagsprozesse eine Rolle spielen: Ausschlaggebend für das Wohlbefinden nach Alltagsbewegung ist demnach ein Bereich der Großhirnrinde, der subgenuale Anteil des Anterior Cingulären Cortex. Dieser Teil des Hirns ist entscheidend an der Regulation von Emotionen beteiligt und spielt eine wichtige Rolle hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychiatrischen Erkrankungen. Wer ein geringeres Volumen an grauer Hirnsubstanz in dieser Hirnregion aufwies, fühlte sich bei körperlicher Inaktivität weniger energiegeladen und hatte ein erhöhtes Risiko, an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden. Gleichzeitig zeigte Bewegung bei diesen Personen eine deutlich bessere Wirkung im Sinne von mehr Energiegeladenheit als bei Probanden mit mehr grauer Hirnsubstanz in diesem Bereich.

Um sich besser zu fühlen, kann es also durchaus helfen, öfter mal Treppe zu steigen oder die täglich Schrittzahl mithilfe eines Schrittzählers im Blick zu behalten und gegebenenfalls zu erhöhen. [jg]

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal

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