Myrrhe wurde schon früh als Arzneipflanze verwendet: Die alten Griechen setzten sie seit dem 5. Jahrhundert zur Behandlung von Wunden, chronischem Husten, Asthma und Entzündungen der Mundhöhle ein. Im 11. Jahrhundert machten sich arabische Ärzte vor allem ihre Wirkung im Magen-Darm-Bereich zunutze. Dieser Einsatzschwerpunkt wurde von den europäischen Ärzten des Mittelalters übernommen, so auch von Hildegard von Bingen. Die verschiedenen bekannten Einsatzgebiete der Myrrhe wurden bis in die Moderne beibehalten, auch wenn die genauen Wirkmechanismen – wie bei vielen pflanzlichen Mitteln – bis weit ins 20. Jahrhundert unbekannt blieben. Durch intensive Forschung hat sich dies in de letzten Jahrzehnten geändert und insbesondere der Nutzen von Myrrhe zur unterstützenden Behandlung bei Verdauungserkrankungen wie Reizdarm oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wurde wissenschaftlich bestätigt, besonders bei den Leitsymptomen Durchfall, Blähungen und Krämpfen, sowie der kombinierte Einsatz mit Probiotika. Sogar die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa“ empfiehlt den therapeutischen Einsatz von Myrrhe in Kombination mit Kaffeekohle und Kamille zum Erhalt der beschwerdefreien Phase (1).

Wirkmechanismen

Ein Funktionsmechanismus der Myrrhe ist ihre stabilisierende Wirkung auf die Darmbarriere (2, 3). Zudem reduziert sie Entzündungen im Darm. Das gilt auch für Kamille und Kaffeekohle, weshalb eine Kombination der drei sinnvoll ist. Die Stabilisierung der Darmbarriere ist auch bei der Probiotikaeinnahme von Bedeutung, da die zugeführten Bakterien nur bei intakter Darmschutzschicht ihre Wirkung optimal entfalten können. Bei chronischen Darmpatienten sollte vor der Probiotikatherapie untersucht werden, ob ihre Darmbarriere dicht ist. Ist dies nicht der Fall, sollte die Barriere mithilfe einer Myrrhe-Kombinationsarznei stabilisiert werden, bevor die Therapie mit Probiotika begonnen wird. Myrrhe-Kombinationen wirken zudem entzündungshemmend (4­–7), entkrampfend (5, 8) und tragen zur Besserung des Gesamtbeschwerdebilds bei chronisch- sowie akut-entzündlichen Darmerkrankungen bei (9). Bei Colitis ulcerosa ist die pflanzliche Kombination zum Erhalt der beschwerdefreien Phase vergleichbar wirksam wie die Therapie mit dem chemischen Standardmedikament (10). [jg]

Literatur

  1. Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa“. AWMF-Registriernummer 021-009, August 2019. n.rpv.media/1-s
  2. Weber L. et al. Anti-Inflammatory and Barrier Stabilising Effects of Myrrh, Coffee Charcoal and Chamomile Flower Extract in a Co-Culture Cell Model of the Intestinal Mucosa. Biomolecules 10, 1033 (2020)
  3. Rosenthal R. et al. Myrrh exerts barrier-stabilising and-protective effects in HT-29/B6 and Caco-2 intestinal epithelial cells.Int J Colorectal Dis.32(5): 623-634 (2017)
  4. Weber L. et al. Bioactive Plant Compounds in Coffee Charcoal (Coffee carbo) Extract Inhibit Cytokine Release from Activated Human THP-1 Macrophages.Molecules24(23): 4263 (2019)
  5. Vissiennon C. et al. Mechanisms on spasmolytic and anti-inflammatory effects of a herbal me-dicinal product consisting of myrrh, chamomile flower, and coffee charcoal.“Wiener medizinische wochenschrift167(7-8): 169-176 (2017)
  6. Vissiennon C. et al. Chamomile flower, myrrh, and coffee charcoal, components of a traditional herbal medicinal product, diminish proinflammatory activation in human macrophages.Planta medica83(10): 846-854 (2017)
  7. Vissiennon C. et al. Synergistic interactions of chamomile flower, myrrh and coffee charcoal in inhibiting pro-inflammatory chemokine release from activated human macrophages.Synergy4 13-18 (2017)
  8. Storr M. The herbal extracts of myrrh, chamomile and coffee charcoal modulate intestinal neu-rotransmission and motility in murine small intestine.EC Gastroenterology and Digestive System4: 15-30 (2017)
  9. Albrecht U. et al. Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamo-mile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-interventional study.BMJ Open Gastro.1(1) (2014)
  10. Langhorst J. et al. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and cof-fee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis–a double‐blind, double‐dummy study.Aliment Pharmacol Ther. 38(5) (2013)

Quelle: Pressemitteilung der Repha GmbH

 

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