Zwei Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) hat das Bundesinstitut für Arzneimittelsicherheit (BfArM) bereits ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Seit dem 15. Oktober können zwei digitale Therapien auf Rezept verordnet werden: eine Webanwendung für Angst- und Panikpatienten (Velibra) sowie eine App für Tinnituspatienten (Kalmeda).

Über 20 weitere Anwendungen befinden sich laut BfArM bereits in der Prüfung zur Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis und für über 70 weitere Anwendungen laufen Beratungsgespräche mit den Herstellern.

Webanwendung gegen Angst- und Panikstörungen

Die Webanwendung für Patienten mit Angst- und Panikstörungen hat dank vorliegender Studiendaten gleich eine dauerhafte Zulassung vom BfArM erhalten. Klinische Studien haben belegt, dass Patienten, die diese digitale Anwendung zusätzlich zu einer hausärztlichen Behandlung nutzten, deutlich weniger Angst- und Panikstörungen hatten als nur hausärztlich betreute Patienten. Die Entwickler der Anwendung betonen, dass das Programm keinesfalls ein Therapieersatz sei, sondern eine Unterstützung der professionellen therapeutischen Behandlung. Der Zugang für Patienten und Therapeuten ist bewusst niederschwellig gestaltet, das heißt, es ist kein technisches Know-how für den Einsatz und die Nutzung des Webprogramms notwendig. Das Programm geht individuell auf die Patienten ein und motiviert sie mit verschiedenen Übungen dazu, ihre Denk- und Verhaltensmuster zu verändern. Die Patienten können die einzelnen Übungen und Module in ihrem eigenen Tempo durchführen, ihren Stimmungsverlauf nachvollziehen und relevante Informationen nachlesen. Darüber hinaus erhalten sie konkrete Handlungsempfehlungen.

App für Tinnituspatienten

Auch die verhaltenstherapeutische App für Tinnituspatienten soll die professionelle Behandlung unterstützen und die Patienten dazu bringen, negative Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen und zu ändern. Die einzelnen Übungen und Module der kognitiven Verhaltenstherapie bieten den Patienten individuelle Anleitungen zu Aufmerksamkeitslenkung, Entspannung, Achtsamkeit und Akzeptanz. Relevante Informationen können die Patienten in einem eigenen Wissensbereich der App nachlesen, zudem enthält sie auch einen Entspannungs- und einen Soundteil. Diese App wurde nur vorläufig ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen, da bisher Studiendaten fehlen, die einen positiven Versorgungseffekt nachweisen. Eine klinische Studie läuft jedoch bereits und Evaluationsprozesse in der Vergangenheit legen den Nutzen der Verhaltenstherapie nahe. [jg]

Quelle: ÄrzteZeitung