Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich Zeitfenster für einen Besuch der umfassenden balneologischen Ausstellungen in den Baden-Badener Museen verschoben. Die Ausstellungen „Körper, Blicke, Macht“ sowie die Sonderausstellung im Stadtmuseum zur UNESCO-Weltkulturerbe-Bewerbung laufen noch bis zum 26. Juli, die Ausstellung „Baden in Schönheit“ bis zum 28. Februar 2021.

Nur mühsam erwacht Baden-Baden, der von Touristen seit den alten Römern so geschätzte Flecken an der Oos, aus dem zwangsverordneten Dornröschenschlaf. Dort, wo es vor der Corona-Pandemie schwierig war, einen Parkplatz zu ergattern, ist zurzeit bequemes Dauerparken möglich. Dabei hatte sich die Kur- und Bäderverwaltung für die kommenden Jahre viel vorgenommen. Man erwartete die erfolgreiche Kandidatur zur Aufnahme in die UNESCO-Kulturliste und prickelnde Events und musische wie museale Highlights an ganz unterschiedlichen Orten sollten als Touristikmagnete wirken, von denen die Stadt der Thermen, Cafes und Restaurants auf ganz unterschiedlicher Weise profitiert.

Wahrlich liest sich die Chronik Baden-Badens stellenweise wie ein Almanach aus dem märchenhaften europäischen Bäderwesen. Wohlmöglich schon für die Kelten, spätestens aber von 79 bis 260 n. Chr. Diente der Ort als Heil- und Kurbad für die in Straßburg stationierten römischen Legionen. Ab dem 14. Jh. erlebte der Bäderbetrieb im alten Bäderviertel mit der Verpachtung der offen austretenden Heilwässer durch die ansässig gewordenen Zähringer Markgrafen einen erneuten Aufschwung. Bis zur Reformationszeit war das heiße Quellwasser, das die Ausbreitung von Seuchen in Baden-Baden verhinderte, eine einträgliche Geld- und Gesundheitsquelle. Als Reaktion auf die wieder zunehmenden Touristenzahlen kam es ab dem 18. Jahrhundert zum Ausbau von Badeanstalten, Badherbergen, und schließlich zur Errichtung ganzer Villenquartiere und mondäner Hotelbetriebe für zahlungskräftige Langzeittouristen und Vertreter der internationalen Diplomatie. Ein Trend, der bis in die heutige Zeit hineinreicht, und durch die Betreibung moderner Konversations- und Kulturstätten gefördert wird.

Aufgrund der Pandemie konzentriert sich die Zahl der Plätze, an denen etwas geboten wird, verständlicherweise vorerst auf die Museumsmeile entlang der Lichtentaler Allee. Als sehenswerte Horte gelten dort das „Museum für Kunst und Technik“ im Kulturhaus LA8, die sich gleich im Anschluss erhebende „Staatliche Kunsthalle“, und – hinter dem Museum Frieder Burda – das von mächtigen Baumwipfeln umsäumte Stadtmuseum.

Hier zur Übersicht die Themen der Ausstellungen:

  • Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, Ausstellung bis zum 28. Februar 2021: „Baden in Schönheit“ – die Optimierung des Körpers im 19. J.; u. a. Karikaturen Daumiers und umfangreiches Bildmaterial zur Wasserheilkunde und zur Reformbewegung des ausgehenden 19. Jh.; Katalog 19 Euro.
  • Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Sonderausstellung bis 26. Juli 2020: „Körper, Blicke, Macht“ – eine Darstellung der Kulturgeschichte des Bades mit Einbezug zeitgenössischer Aktionskunst (bis 2019); Katalog 44 Euro.
  • Stadtmuseum im Alleehaus, Sonderausstellung bis 26. Juli 2020: Sonderausstellung anlässlich der Bewerbung der Stadt zur Aufnahme als UNESCO Welterbe; historisches Fotomaterial zu Schwimmbädern und Swimmingpools aus aller Welt; Dokumentation: „Army of Love“ von Alexa Karolinski und Ingo Niemann; das „Bällebad“ von Bianca Kennedy; außerdem ein interessanter Gang durch die abwechslungsreiche Geschichte des Weltbades.

Zu beachten ist, dass sich die Zeitfenster für einen Besuch verschoben haben: So laufen alle drei Ausstellungen noch bis zum 26. Juli 2020 parallel und können mit dem preisgünstigen Kombiticket (7 Euro), außer am Montag, täglich von 9 bis 18 Uhr besucht werden. Die Ausstellung im Kulturhaus LA8 wird sogar noch bis zum 28. Februar 2021 fortgesetzt.

 

Autor: Siegfried Haußmann (Heilpraktiker, Fachjournalist)

 

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