Im Kampf gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 und die Erkrankung Covid-19 wird mit Hochdruck nach Wirkstoffen gesucht, die dem Virus den Garaus machen. In einer Charité-Studie wurden nun Wirkstoffe untersucht, welche die Autophagie aktivieren bzw. anregen.
Ausgangspunkt für die Studie war die Beobachtung, dass SARS-CoV-2 den Zellstoffwechsel entscheidend verändert und die Spermidin-Konzentration in infizierten Zellen stark reduziert ist. Das Virus hebelt damit den Autophagie-Mechanismus der infizierten Zellen aus, um sich leichter reproduzieren zu können. Denn bei der Autophagie werden unter anderem Viren in Zellen als Abfallprodukte erkannt, unschädlich gemacht und ausgeschieden. Für das MERS-Coronavirus von 2012 war bereits nachgewiesen, dass es den Autophagie-Mechanismus aushebelt und den Zellstoffwechsel verändert. Für das aktuelle Coronavirus wurde dieser Nachweis nun ebenfalls erbracht, von einem Forscherteam um den Virologen Prof. Dr. Christian Drosten. Damit rücken zur Bekämpfung des Virus Stoffe in den Fokus, die die Autophagie verstärken können.

Neben Niclosamid und MK-2206 wurde auch der körpereigene Stoff Spermidin in der Studie geprüft. Bei mit SARS-CoV-2 infizierten Zellkulturen konnten die Wirkstoffe die Vermehrungsrate des Virus um 99 % (Niclosamid), 88 % (MK-2206 ) bzw. 85 % (Spermidin) senken. Gesunde Zellen, die mit Spermidin bzw. Niclosamid vorbehandelt wurden, zeigten sich zudem resistenter gegenüber dem Virus. In beiden Fällen war das Viruswachstum um 70 % vermindert, das Virus konnte sich in den vorbehandelten Zellen deutlich schlechter vermehren. Der Vorteil von Spermidin gegenüber den beiden anderen Substanzen ist, dass es als körpereigener, natürlicher Stoff sehr gut verträglich ist.

Der Ansatz scheint vielversprechend, allerdings wurden diese ersten Erkenntnisse noch keinem Peer Review unterzogen und es sind weitere Studien nötig. (jg)

 

Studie: Gassen NC, Drosten C et al.: Analysis of SARS-CoV-2-controlled autophagy reveals spermidine, MK-2206 and niclosamide as putative antiviral therapeutics. bioRxiv The Preprint Server for Biology. Doi: 10.1101/2020.04.15.997254

 

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