Alles organische Leben basiert auf der Grundlage des Gewinns an biologisch verwertbarer Energie, mit deren Hilfe für Wachstum und Erhalt von Zellen und Funktionssystemen in einem begrenzten Rahmen gesorgt ist. Es versteht sich für den Menschen, dass die aus der Entwicklungsgeschichte hervorgegangenen Organe nicht selbständig existieren können, sondern als Körper zu einem hoch komplizierten Gebinde (Organisation) vereint sind, solange das biologische Sein sich inmitten unterschiedlicher Aggregatzustände in der Welt vollzieht. Insofern ist das Stoffwechselverständnis, aus wissenschaftsmedizinischer und historischer Sicht, einem biologistischen bzw. naturalistischen Denkansatz entsprungen.

Nach der ganzheitlichen Betrachtungsweise, deren sich Völker aller Kulturkreise nach wie vor bedienen, stehen dem Menschen funktional drei große Säulen zur Verfügung, deren Wirkungsgrade über Qualität und Quantität des Stoffaustauschs (neben dem Ererbten und dem Milieu) entscheiden. Das sind:

  1. die Aufnahme (Assimilation, Dissimilation) der festen, flüssigen und gasförmigen Nährstoffe,
  2. der Auf- und Abbau (Anabolismus, Katabolismus) der verfügbaren Stoffe innerhalb der Funktionseinheiten und
  3. das permanente Abscheiden und Ausscheiden (Elimination) von Stoffwechselprodukten aus der gesamten Zellmasse.

Treten dabei aus mannigfaltigen Gründen in den Abläufen dauerhafte Missstände auf, kommt es zum schwierig zu beeinflussenden Krankheitsfall durch den gesetzmäßigen Ablauf einer pathogenetischen Reihe, die bis zu einem gewissen Stadium und Alter durch naturheilkundliche Maßnahmen durchbrochen werden kann. Hierin liegt einer der Unterschiede zwischen Naturheilkunde und klassischer Homöopathie, die rein über Symptome das Regulativ sucht. Eine systemische Äußerung für einen verstärkten Stoffwechsel als Ausdruck einer natürlichen Reizbeantwortung wäre das akute Fieber.

Aus naturheilkundlicher Sicht ist es ganz entscheidend – vorbeugend, wie im Erkrankungsfall – die drei genannten Säulen in Schwung zu bringen, zu stärken und Defizite aufzudecken und auszugleichen. Dafür ist es anfangs von großer Bedeutung Diagnosemittel einzusetzen, die zu einer Aussage über den Zustand beim Patienten führen, z. B. die Augendiagnose, die Bestimmung des Grundumsatzes etc. Auch können vom Patienten geschilderte Eigenarten, oder andere Zeichen über Ausscheidungen (z. B. Urin, Stuhl, Schweiß etc.) wichtige Hinweise geben und erste Therapieansätze bringen. Manchmal führt allein die Umgestaltung des Lebensstils zu ersten Erfolgen. Der antike Kanon zu den vier Basiselementen Luft, Wasser, Erde und Feuer spielt ebenfalls eine Rolle. Die zentrale Bedeutung einer antreibenden „Naturheilkraft“ wurde in der Naturheilpraxis Ausgabe 07/2007 von mir näher dargelegt.

Trotz der eher reduzierenden naturheilkundlichen Auffassung, hinsichtlich einer Beeinflussung des Stoffwechselgeschehens, bleibt es im konkreten Einzelfall wiederum den Heilkundigen überlassen, ein mit Schwerpunkten besetztes Therapiekonzept zu finden und lege artis umzusetzen.

Autor: Siegfried Haußmann, Heilpraktiker

 

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