Die Entdeckung eines Berliner Forschungsteams macht Hoffnung auf neue Therapiemöglichkeiten bei Virenerkrankungen wie Influenza und Vogelgrippe. Die Forscher konnten ein chemisch modifiziertes Phagen-Kapsid entwickeln, das Influenzaviren so umhüllt, dass sie Lungenzellen nicht infizieren können. Die Basis für das Kapsid bildet eine leere, nichtinfektiöse Hülle eines Phagen-Virus. Bisherige präklinische Tests am Tiermodell und in Zellkulturen waren sowohl bei aktuellen saisonalen Influenzaviren als auch Vogelgrippeviren erfolgreich, eine Infektion von Zellen durch die Viren konnte verhindert und eine Vermehrung des Virus so unterbunden werden. Ein vielversprechender Ansatz für die Entwicklung neuer antiviraler Medikamente – bisherige antivirale Mittel greifen das Virus erst an, wenn es Zellen bereits infiziert hat.

Die Forscher machen sich die trivalenten Rezeptoren auf der Oberfläche von Grippeviren zunutze, die sich normalerweise an Zuckermoleküle auf der Oberfläche von Lungengewebszellen binden. Die leere Hülle der Q-beta-Phage wird so mit Zuckermolekülen bestückt, dass diese nicht einfach nur Lungengewebszellen nachahmt, sondern für das Virus sogar attraktiver zum Andocken erscheint. Die Zuckermoleküle werden so angebracht, dass sie genau den gleichen Abstand aufweisen wie die trivalenten Rezeptoren auf der Virusoberfläche. So entsteht ein passgenauer Köder für das Virus, das an das Phagen-Kapsid andockt und dort gebunden wird. Wie hochauflösende Kryo-Elektronenmikroskopie und Kryo-Elektronentomographie zeigen, wird das Virus vom Inhibitor sogar vollständig eingekapselt und kann sich somit nicht mehr vermehren. Weitere präklinische Untersuchungen müssen zeigen, ob das Kapsid womöglich eine Immunantwort in Säugetieren provoziert und ob diese die Wirkung eher verstärkt oder herabsetzt. Prinzipiell lässt sich dieser Ansatz auch auf andere Viren anwenden, daher werden die Ergebnisse der Berliner Forscher unmittelbar in der Coronavirus-Forschung genutzt. (jg)

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft

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