Aus der aktuellen Naturheilpraxis

Präventionsmedizin

„Wir brauchen eine Revolution“

Ein Beitrag von Martina Schneider

Nerven-, Hormon- und Immunsystem beeinflussen sich wechselseitig, das ist bekannt. Dass auch Psyche und soziales Umfeld Einfluss auf das Immunsystem des Menschen haben, beginnen Mediziner der noch jungen Fachrichtung der Psychoneuroimmunologie nachzuweisen – auch wenn sie von manchen Kollegen belächelt werden. Doch eine These gewinnt an Boden: Emotionaler Dauerstress löst Entzündungen aus, die zur Ursache für Autoimmunerkrankungen werden.

Foto: sdecoret / shutterstock.com

„Das biomedizinische Maschinenmodell war gestern, es wird der Komplexität des Menschen nicht gerecht. Wir brauchen eine Revolution!“ Der Mediziner, Biochemiker und Psychotherapeut Dr. Dr. Christian Schubert, Professor an der Universität Innsbruck/Österreich, ist inzwischen gefragtester Experte, wenn es um den ganzen Menschen geht und den Zweig der Medizin, der ihm gerecht werden möchte: die Psychoneuroimmunologie, kurz PNI. Nur langsam bildet dieser Zweig Wurzeln aus, was vielleicht daran liegt, dass nicht jeder Kollege der noch jungen PNI denselben Stellenwert einräumt wie längst eingeführten medizinischen Fachrichtungen.

Stoff für alle Systeme

1974 entdeckten der US-amerikanische Psychologie-Professor und Wissenschaftler Dr. Robert Ader und sein Kollege Dr. Nicholas Cohen, Mikrobiologe, Immunologe und Psychiater, dass Botenstoffe des Nervensystems die Funktion des Immunsystems beeinflussen und Botenstoffe des Immunsystems Einfluss auf die Funktion des Nervensystems nehmen. Ader († 2011) und Cohen, die viele Jahre am University of Rochester Medical Center in New York gemeinsam nach Zusammenhängen forschten, gelten als Begründer der PNI, die sich mit Wechselwirkungen zwischen Nerven-, Immun- und Hormonsystem befasst sowie mit der Psyche, dem Verhalten und der Kognition. Und die auf diesem Wege Antworten und Erklärungen geben will für Erkrankungen und Beschwerden, die sich sowohl über den Körper als auch über die Psyche äußern.

Am Beispiel von Serotonin, Gewebshormon und Neurotransmitter, auch als Glückshormon bekannt, wird deutlich, wie kraftvoll Systeme im Organismus durch einen Stoff verbunden sind: Produziert wird Serotonin sowohl im Kopf wie auch im Bauchhirn; es beeinflusst die Stimmung, den Schlaf-Wach- Rhythmus und das Schmerzempfinden, es reguliert mit den Blutdruck, hat Auswirkungen auf die Blutgerinnung und auf den Augeninnendruck und übernimmt motorische wie sensorische Aufgaben ...

Mehr in der Februar-Ausgabe

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